Die Rückkehr der Osmanen

„Die Türken kommen“. Bis Anfang des 18 Jh. erschütterte dieser Warnruf die Gemüter vieler Bürger Mitteleuropas, wie einst der ruf „Hannibal ante Portas“ die römischen. Am Höhepunkt ihrer Macht standen sie 1683 vor Wien. Das Yoghurt, die Schabrake, der Diwan, viele von uns verwendete Wörter und Gegenstände stammen von ihnen. Das ansonsten zerstrittene Europa organisierte sich und es gelang einer christlichen Armee unter Führung des polnischen Königs Jan Sobieski die türkischen Truppen vernichtend zu schlagen. Prinz Eugen von Savoyen vertrieb im Laufe der Jahre die Türken aus Ungarn und eroberte auch Belgrad. Wien danke es ihm sehr. Dem polnischen König weniger. Denn kaum 100 Jahre später teilten sich Preussen, Österreich und Russland das polnische Königreich untereinander auf. Aus den mächtigen und gefürchteten Sultanen wurde im 19. und 20. Jahrhundert der „kranke Mann am Bosporus“ und viele europäische Großmächte knabberten an allen Ecken des Reichs. Dies trieb die „Hohe Pforte“ in die Arme des deutschen Reiches. Diese Umarmung brach dem Osmanischen Großreich dann das Genick. Die Teilnahme am I WK auf der Seite der Mittelmächte brachte noch mehr Niederlagen und Landverluste mit sich.
Am Ende war das Ende des Sultans und Kalifen, Kemal Mustafa, „Atatürk“ der Vater der Türkei schmiedete mit strenger Hand einen modernen, laizistischen Staat aus den Überresten des osmanischen Reiches. Die Jahre vergingen und die Türkei dümpelte am äußersten Rande des europäischen Horizont vor sich hin. Im Dauerclinch mit seinem Nachbarn Griechenland und internen Querelen und Schwierigkeiten. Nato Mitglied, da wichtiges Bindeglied zwischen Okzident und Orient, mal Militärdiktatur mal Demokratur wurde der vorwiegend agrarisch ausgerichtet Staat in den 60er Jahren zu einem billigen Reservoir von Arbeitskräften für das deutsche und österreichische Wirtschaftswunder eine alte Remineszenz an die Bande die k.u.k. Österreich und das deutsche Kaiserreich mit dem osmanischen verbanden. Anfangs des neuen Jahrtausends gelang es dem dem jetzigen Regierungschef Erdogan die Macht in der Türkei zu übernehmen und diese auf Überholkurs zu trimmen. Seine islamistische Ausrichtung nie verleugnend schaffte der der allgemeinen Krise zum Trotz Wachstumsraten zu realisieren, von denen europäische Politiker nur träumen können. Beim angepeilten EU-Beitritt gesnobt ( zu Recht meines Erachtens, die Türkei gehört schon geographisch nicht zum modernen Europa) besinnt sich nun Ankara auf seine glorreiche Geschichte als Großmacht, zumindest als regionale Hegemonialmacht.
Der Iran hat sich ins AUS manövriert, sowohl politisch als auch wirtschaftlich. Syrien steht vor dem Kollaps, der Libanon machtpolitisch und im Rahmen internationaler Politik nicht relevant, innerlich zerrissen. Hier setzt die Türkei an. Der Überflug eines türkischen Jagdbombers war ein Versuch des Austestens der syrischen Reaktionen bzw. das gezielte Provozieren der syrischen Reaktion um daraufhin seine Muskeln spielen zu lassen. Das neue Selbstbewusstsein der Türkei konnte man auch am „Navi Marmara“ Zwischenfall erkennen, wo sie sich immerhin mit „DER“ Militärmaacht des Nahen Ostens anlegte, mit Israel. Angefeuert durch ein großes Bevölkerungsreservoir, eine boomende Wirtschat, abgesichert durch eine kampferprobte Armee tritt dieses Land nun an, seinen natürlichen Hinterhof wieder in Beschlag zu nehmen.

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