Rote Laternen in Südtirol!

Also bitte kein Missverständnisse! Nach der ganzen Südtiroler Bunga – Bungageschichte hoffe ich versteht ihr mich nicht falsch. Es soll eine kurze Geschichte der chinesischen Restaurants in unserm „Landel“ sein. Ende der 80er Jahre gelang es trotz vieler bürokratischer Hürden: wie eine spezielle Aufenthaltserlaubnis für „selbstständige Zwecke“, der entsprechend schwierigen und komplexen Eintragung in das Register der Gastgewerbetreibenden  und trotz des Misstrauens der Einheimischen ( in der Nähe von Chinarestaurants gab es je nach Abenteuerlichkeit der Gerüchte keine Katzen, bzw. Hunde oder sogar keine alten Chinesen mehr 😉 ) die ersten Chinarestaurants zu eröffnen.

Aber trotz dieser Schwierigkeiten gelang es ein paar Lokalen sich einen treuen und zufriedenen Kundenstock aufzubauen und man musste nicht mehr nach Innsbruck fahren um Schweinefleisch süßsauer bzw. Kantonreis zu genießen. Wer kann sich nicht noch an die Pioniere dieser „Exotiker“ erinnern. Das gute alte Kota Radja in Meran (mit den Plastikstäbchen, ich hab als Erinnerung immer noch 2 Paar davon), der Goldene Drache in der Rauschertorgasse der seit ca. 1988  existiert und den ich heute noch gerne und oft zu Mittag besuche. Und last but not least  „Asterix“ obwohl er nie so hieß, er war in den entsprechenden Räumlichkeiten des gleichnamigen Hotels untergebracht.

In diesen 3 Lokalen wurde bzw. wird uns immer noch unser kulinarischer Horizont erweitert. Klar, es ist chinesische Küche „für Europäer“ also für uns zurecht gemacht. Auf unsere Geschmacksnerven abgestimmt. Und vielfach eher einfache Gerichte.  Wer einen Einblick in die wahre chinesische Küche nehmen will kann sich diese z.B. durch Liu Ziuha verschaffen, sein Buch, leider nur mehr im Antiquariat zu erhalten, gibt neben tollen Rezpten, auch einen tiefen Einblick in die Hintergründe dieser fantastischen und raffinierten Küche. Und erklärt auch gleich, wieso in vielen Restaurants wirklich schlecht gekocht wird. Weil nach Aussagen des Meisterkochs 1. Klasse Liu, viele Köche die hier arbeiten, in China selbst höchstens als Tellerwäscher genommen würden.   Und dass erstklassige chinesische Köche selten in den kleinen Betrieben arbeiten würden, da sie Dienste wahrnehmen müssten, die unter der Würde eines ausgebildeten Koches sind. Trotz allem, wer sich seine Perlen, die es hier ohne weiteres gibt (und die 3 oben erwähnten Restaurants gehören dazu, zusammen mit dem Asia Point 51 in Lana! Ich bitte um Empfehlungen in den Kommentaren Danke) wird immer wieder eine kulinarische Überraschung erleben.

Und die Küche ist wirklich extrem raffiniert und interessant, daran ist kein Zweifel. Dem Interessierten sei hier ein zweites Buch empfohlen, welches die Kulturgeschichte der chinesischen Küche behandelt.

Die Jahrtausendwende brachte jedoch eine große Änderung auch hier in Südtirol. Ende der Neunziger fingen Chinarestaurants an wie Pilze aus dem Boden zu sprießen. Wenn man aber die Speisekarte ansieht, ist in den meisten Lokalen dürre Einfalt angesagt, ob man nun in Palermo oder in Bozen zum Chinesen geht, kriegt man eigentlich (bis auf die üblichen löblichen Ausnahmen!) immer die gleiche Sache vorgesetzt. Dies ist zwar nützlich für die Inhaber, sollte ein Koch von A nach B wechseln, kann er sofort das ganze Repertoire des Restaurants. Aber für uns Kunden ist dies schlecht. Die Welle der anderen ethnischen bzw. ethnisch angehauchten Restaurants, über Kebap, Pakistani, Inder usw. haben dann auch bei den Chinarestaurants wieder für Bewegung gesorgt. Geschäftstüchtigkeit und Fleiß wird ihnen ja nicht umsonst nachgesagt. Viele Restaurants begannen ihr Angebot um Sushi und Sashimi zu erweitern bzw. indonesische und Thai – Küche in das Sortiment zu nehmen und dies obwohl sich China – Japan speziell um die Vorfälle vor und während des II – Weltkrieges immer noch nicht gut verstehen, das Massaker von Nanking ist ein Stichwort dazu. John Rabe, deutscher Manager in Nanking wird in China immer mit Oskar Schindler gleichgestellt.

Aber japanische Spezialitäten, besonders diese leichten Fischspeisen sind sehr beliebt und erzielen höhere Preise und helfen sich von „normalen“ Chinarestaurants abzuheben. Eine weitere Möglichkeit sich in der neuen Flut von Chinarestaurants und ethnischen Lokalen eine Existenz zu sichern. Und dafür hat man ja auch die lange Reise und die Entfernung zu den Lieben in der Heimat ja in Kauf genommen.

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