Das Siegesdenkmal gehört uns

Die Diskussion über das Siegesdenkmal, das Fries mit der Mussolini-Darstellung und weiteren Bauten aus der Zeit des Faschismus ist nicht nur alt, sondern auch nicht tod zu bekommen. Jetzt schaltet sich noch der eine Politiker hier ein und der andere dort und es wird davon gesprochen, dass sie wohl entfernt werden sollen „Weil sie nicht in die Zeit passen.“ Was soll denn das bedeuten? Wir sprechen hier nicht von Kleidung oder Moden. Bauten, Literatur, Möbel, Denkmäler und Kunst (nur um einige Bereiche zu nennen) sind immer Ausdruck der Zeit in der sie entstanden sind. Die Gesellschaft und politischen Systeme ändern sich und damit auch deren Ausdrucksformen. Aber reist man deshalb gleich alles ab? Wo hört man da auf?

Wie wäre es wenn man auch gleich alle Burgen abreist, schließlich sind sie Ausdruck der feudalen Herrschaft des Adels über Leibeigene. Den Adel hat man entmachtet, ihrer Wahrzeichen stehen noch stolz herum. Aber das geht ja in Ordnung, die verletzen ja keinen Stolz und gefährden nicht die Demokratie. Aber das Siegesdenkmal, das schon, das gefährdet die Demokratie und verletzt das Selbstwertgefühl der deutschsprachigen Südtiroler. Das ist doch Flurbereinigung. Früher hat man die alten Fresken übertüncht und über die Bilder gemalt wenn sie einem nicht mehr gefielen, heute (so sieht es die Archäologie) bewahrt man den aktuellen Zustand und lässt nach Möglichkeit alles dort wo es hingehört – schließlich geht es auch um Kontext.

Mal andersrum denken

Wie wäre es mit einem anderen Denkansatz. Bisher „gehörten“ die Denkmäler einem Teil der italienischen Bevölkerung Südtirols. Sie nutzt sie als Identitätsstiftende Grundlage und stößt so einem gewissen Teil der deutschsprachigen Bevölkerung auf. Ich benutze mit Absicht „gewisse“ weil einem großen Teil der Bevölkerung wäre das Thema egal, wenn es nicht immer wieder aufgekocht würde.

Nun könnte doch aber die gesammte südtiroler Bevölkerung die Denkmäler als ihr Identitätsstiftende Bauten ihr Eigen nennen. Ganz recht, alle und ganz besonders die deutschsprachige. Das klingt sicherlich aufrührerisch aber man sollte es mal so sehen.

Jede Bevölkerungsgruppe welche in Südtirol wohnt hat ihre eigene Geschichte und Traditionen, darauf kann man auch stolz sein usw. Die Besonderheit Südtirols, das was wir hier in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben und die Mischung welche sich durch das Zusammenleben ergeben hat ist zwar nicht erst durch die Annektion an Italien und später dem Faschismus entstanden, wurde aber stark dadurch beeinflusst.

Es war sozusagen der Startschuss zu unserem heutigen Selbstverständnis. Für die deutschsprachigen Südtiroler sind sie der Stein gewordenen Beweis dass sie unterdrückt wurden und für die italienischsprachigen Südtiroler sind sie der Beweis dafür dass Südtirol italienisch ist. Südtirol wie wir es heute sehen wurde damals geboren. Eine schwierige Geburt, mit zweifelhaften Eltern und einer düsteren Jugend, aber immerhin ist schon etwas draus geworden.

Klar ist auch, dass wir diese Denkmäler und den Faschismus jetzt nicht „ehren“ sollen für das was er angerichtet hat, aber die Denkmäler sind auch die Spuren der Zeit, welche ein Verständnis für unsere heutige Situation ermöglichen. Sie sind Zeugen für einen Irrsinn und wir als gesammte Bevölkerung sind der Beweis, dass durch politischen und gesellschaftlichen Willen und demokratischen Mitteln, eine Gesellschaft entstehen und im Wohlstand leben kann in der mehrere Sprachgruppen zusammenleben.

Bild von wege7

14 Gedanken zu “Das Siegesdenkmal gehört uns

  1. Bisher “gehörten” die Denkmäler einem Teil der italienischen Bevölkerung Südtirols.
    .. einen Teil… ich denke da eher an 80%…

    die gesammte südtiroler Bevölkerung die Denkmäler als ihr Identitätsstiftende Bauten ihr Eigen nennen..
    .. da müsste man eine Umfrage machen…..

    Eine schwierige Geburt, mit zweifelhaften Eltern…
    Eltern????? Das Kinde wurde wohl eher geraubt…..

    Artikel ist sehr gut gemacht…. wie war doch noch gleich der Namen deines Arbeitsgebers?
    DIS, AISE, AISI oder II RIS/J2? 😉

    • Ich glaub eine Umfrage würde zur Zeit nicht viel ergeben – wir haben ja erst angefangen so zu denken 😉 Und als „Kind“ habe ich ja das Südtirol verstanden, wie es heute ist – das existierte so vorher nicht und konnte nicht geraubt werden.
      Und ich glaub die Geheimdienste hätten mit mir keine Freude – bin zu auffällig. 🙂

  2. Bisher “gehörten” die Denkmäler einem Teil der italienischen Bevölkerung Südtirols.
    .. einen Teil… ich denke da eher an 80%…

    die gesammte südtiroler Bevölkerung die Denkmäler als ihr Identitätsstiftende Bauten ihr Eigen nennen..
    .. da müsste man eine Umfrage machen…..

    Eine schwierige Geburt, mit zweifelhaften Eltern…
    Eltern????? Das Kinde wurde wohl eher geraubt…..

    Artikel ist sehr gut gemacht…. wie war doch noch gleich der Namen deines Arbeitsgebers?
    DIS, AISE, AISI oder II RIS/J2? 😉

    • Ich glaub eine Umfrage würde zur Zeit nicht viel ergeben – wir haben ja erst angefangen so zu denken 😉 Und als „Kind“ habe ich ja das Südtirol verstanden, wie es heute ist – das existierte so vorher nicht und konnte nicht geraubt werden.
      Und ich glaub die Geheimdienste hätten mit mir keine Freude – bin zu auffällig. 🙂

    • Un po‘ l’linverso di come hanno fatto a Londra, Marble Arch era concepito come un „casello“ per Buckingham Palace, ma le carrozze non ci passavano, perciò l’hanno spostato e adesso e solo decorazione.

    • Un po‘ l’linverso di come hanno fatto a Londra, Marble Arch era concepito come un „casello“ per Buckingham Palace, ma le carrozze non ci passavano, perciò l’hanno spostato e adesso e solo decorazione.

  3. Jeder Cent isch schod und jedes Wort zuviel.

    Wenn unsere Itlienischn Mitbürger von einem denkmal representiert werden welches mit Faschistensymbolen verziert ist dann bitte…ich würde mich an deren stelle halt in Grund und Boden schämen…Aber renovieren usw isch des jo net wert..
    Wir sollten es einfach machen wie es in Italien Brauch ist mit allen Denkmälern, verfallen lassen und Grünspan ansetzen….

  4. Jeder Cent isch schod und jedes Wort zuviel.

    Wenn unsere Itlienischn Mitbürger von einem denkmal representiert werden welches mit Faschistensymbolen verziert ist dann bitte…ich würde mich an deren stelle halt in Grund und Boden schämen…Aber renovieren usw isch des jo net wert..
    Wir sollten es einfach machen wie es in Italien Brauch ist mit allen Denkmälern, verfallen lassen und Grünspan ansetzen….

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