Die lauten und die leisen Töne der zeitgenössischen Kunst

Um etwas Abwechslung in das Wahlergebnis-Analysiern zu bekommen hier ein Gastbeitrag von Dolores.

Armleder

Hat die zeitgenössische Kunst in Südtirol Einzug gehalten? Oder wurde sie einfach nur erhört? Auf jeden Fall wurde sie gehört. In den Klang- und Audioinstallationen in Franzensfeste im Rahmen der Manifesta7 und in der derzeitigen Ausstellung im Museion, die die Welt der Sonic Youth umkreist. Ein Echo dazu bilden die regelmäßigen Berichterstattungen und die meinungswiederspiegelnden Leserbriefe in den Printmedien. Die zeitgenössische Kunst stößt auf reges Interesse genauso wie auf reges Missverständnis. Sie schürt Freude und Ärgernisse und nimmt in den lokalen Medien einen noch nie dagewesenen Raum ein. So mancher Artikel reduziert die Berichterstattung zu den Ausstellungsereignissen auf Zahlen, die die Kosten für die Veranstaltung einem wirtschaftlichen Gewinn gegenüberstellen, vergessen dabei jedoch, dass die Sprache der Kunst nicht numerisch definierbar ist. Häufig wird nach dem Wahrheitsgehalt von Kunstwerken gefahndet und so mancher bisher Uninteressierte spart nicht mit Definitionen zur Kunst. Kritiker scheuen sich nicht, ihre subjektive Meinung zu den Veranstaltungen kundzutun, wobei eine bereits vorgefertigte Ablehnung fachliche Inhalte verdeckt.

Im derzeit praktizierten Kunstdiskurs stehen Überlegungen zur Froschpolemik unweigerlich im Zusammenhang mit den bevorstehenden Wahlen. Die Reflexion über die Großveranstaltung Manifesta7 ertrinkt hingegen in einem Gewirr von Besucherzahlen und Kostenziffern. Dass Kunst sich jedoch nicht mit einem Zahlensystem fassen lässt, die Besucherzahlen nichts über bleibende Eindrücke aussagen und vermittelte Gedankengänge nicht so einfach auf Parameter reduziert werden können, wird bei der Berichterstattung völlig außer Acht gelassen. Nicht zuletzt zeigen die emotionsgeladenen Aussagen von Lesern und Schreibern, dass zeitgenössische Kunst heute in keiner Weise uninteressant ist, sondern nach wie vor die Fähigkeit besitzt, Gedanken und Gefühle zu provozieren. Wäre die zeitgenössische Kunst, deren Organisation, Manifestation und deren Vermittlung in Südtirol gänzlich unangebracht, würden wohl nicht so viele Gedanken darum kreisen. Die Kunst irritiert, verstört und provoziert! Vergessen sei nur nicht, dass sie auch erfreut, überrascht und begeistert. Nicht zuletzt verdeutlicht ein reges Kunsttreiben und Neuentdecken dieser Tage, dass die Sprache der bildenden Kunst laut gehört wird. Nur schade, dass die Berichte darüber zumeist nur das Drumherum beschreiben, nicht aber über den Inhalt selbst sprechen.

Armleder

PS: Wir freuen uns  immer wenn wir anregedende Beiträge bekommen und veröffentlichen diese auch. Also einfach schicken.

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