Immer noch Sommer

Hier also der zweite Teil unseren Südtiroler-Fest-Report. Und auch dieses mal sparen wir nicht mit Kritik und Lob. Versprochen.

Ritterspiele in Schluderns

Nun gut – in Südtirol gibt es ein paar hundert Burgen und Schlösser und viele kann man besuchen und man stellt sich schon als Kind vor, wie es wohl so war zur Ritterszeit. Vieles hat sich nicht erhalten von den Bräuchen. Sie haben sich gewandelt und werden in anderer Form weitergetragen. Seit einigen Jahren gibt es den Burgenritt in Eppan und in Wolkensteinritt. Dort werden eine Art Ritterspiele zelebriert. Das hat aber nichts mit den Ritterspielen von Schluderns zu tun. Die haben mehr mit Zirkus, Gardaland und einem Rave zu tun. Professionelles und Semi-Professionelles Fahrendes Volk, welches sich dem Thema „Mittelalter“ und „Römertum“ zugewandt haben erschaffen einen Unterhaltungspark. Man bezahlt Eintritt und taucht in eine so kitschige Welt ein, dass Las Vegas erblasst. Die Irrwitzigen Kombination von Römertum und Mittelalter sagt eigentlich schon alles, aber die zwanghaften Namensgebungen der Speisen (es gab Würstel, Hähnchen und Pommes unter anderem) schlug fast alles.

Dass hier inzwischen eine Industrie dahinter steht sieht man nicht erst nach dem Streit zwischen dem ursprünglichen Veranstalter und Schluderns, sondern auch daran, dass auf dem Fest zahlreiche Flugblätter ausgeteilt wurden auf denen noch andere Feste dieser Art angepriesen wurden. Es gibt da anscheinend eine ganze Welt die sich da verbirgt. Bands, die mittelalterlich angehauchte Soft-Gothik Nummern spielen, Back- und Bratstände im Turmlook usw.

Ich bin ja der Überzeugung, dass diese gefälschten Kulturveranstaltungen mehr unserem Verständnis unserer Kultur schaden als so mancher moderner Import. Aber auch das ist eine andere Geschichte und wer mehr in der Richtung erfahren will braucht sich nur die Piefke Saga anzuschauen.

St. Paulser und St. Martiner Dorffest

Diese beiden Feste gehöhren ja zu meinen Lieblingen – eines hatte mit dem Wetter Glück, das andere leider nicht. Trotzdem sind sie immer einen Besuch wert, denn die Stimmung und die Atmosphäre ist immer gut. Die Touristen sind selten (oder fallen nicht auf) und man kann bei beiden Festen bis in den Morgen hineinfeiern. Wer sie nicht kennt sollte sie mal besuchen, aber Achtung, es könnte passieren, dass die Dörfler dich freundlich begrüßen und du mehr Leute kennenlernst als du glaubst.

Lananer Kürbisfest

Sozusagen eines der ersten Herbstfeste – über das leidige Thema Themen-Feste haben wir uns ja schon öfter ausgelassen. Die meisten dieser Feste sind eher als Touristenverschaukelung zu verstehen, als ein Treffpunkt der Einheimischen. In Lana ist es ein bißchen anders, das liegt aber auch mehr an der Lage (es ist kein Hotel wirklich in der Nähe), es ist nicht Zentrum (ok Lana hat kein Zentrum) und es ist nur am Samstag richtig besucht. Sepp Messner Windschnur hat sich wieder mal die Ehre gegeben und es gab exklusive „Kürbisteigtaschen“, aber bis auf ein paar ausgestellten Kürbissen verdient das Fest eigentlich seinen Namen nicht.

Schupfenfest Jenesien

Lange ists her, dass ich dieses Fest besucht habe und ich hatte gemischt Erinnerungen. Man kann wohl behaupten, dass es das Flächenmäßig größte Fest ist, denn es erstreckt über den Salten zwischen Jenesien, Lafenn und Flaas. Da kann man schon ein wenig spazieren, denn wandern kann man die ebene Strecke nicht nennen. So war auch der Zulauf dementsprechend. Man ist sich auf den Wegen fast an die Einkaufstraßen in den Fußgängerzonen erinnert oder an eine Prozession. Den größten Reiz macht bei diesem Fest das Panorama aus, denn wie schon vor Jahren war die Organisation hinter den Thresen furchtbar. Bis auf einen Stand bekam man ab 14 Uhr nichts mehr zu essen (außer Kuchen), denn welcher Südtiroler will denn auch schon nach zwei noch etwas essen – auf einem Fest. Auch ist es etwas komisch, dass um halb 6 schon die Tische zusammengeräumt werden. Aber das war wohl Voraussicht, denn ein Graupelschauer hat der Hetz ein jehes Ende bereitet.

Fazit

Abschließend kann man die Saison als nicht alzu schlecht ad Acta legen. Man sieht dass in Südtirol in den Sommermonaten einiges geboten wird – vieles Überschneidet sich und wenn dann das Wetter nicht mitspielt (oder ein Bischof dazwischen kommt) fallen gleich mehrere Veranstaltungen aus. Im Herbst wird es ruhiger werden und spätestens im November könnte man meinen, dass ganz Südtirol im Winterschlaf ist. Ist es nicht möglich, das ganze ein wenig besser aufzuteilen? Aber auch darüber haben wir schon moniert und trotzdem ist nichts passiert 😉

Na dann machen wir halt das Beste daraus und organisieren selbst etwas.

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