Parallele Gesellschaften

Parallel und so
Haben wir in Südtirol eigentlich parallele Gesellschaften. Nicht nur weil die Rechts-Parteien immer wieder populistisch gegen eine Überfremdung mahnen scheint mir dieses Thema eine nähere Betrachtung wert. Leben die deutschen, ladinischen, italienischen Landsleute nebeneinander oder miteinander. Die Saisonsfachkräfte aus Osteuropa darf man auch nicht in diesem Kontext vergessen. Ein aktuelles Thema, tauchen wir ein…

Das Thema insgesamt geistert jetzt schon einige Zeit herum ((vor allem in Deutschland)) und wenn bei uns der Begriff noch nicht dominant im Einsatz ist, liegt das wohl daran, dass wir schon derart daran gewöhnt haben, dass uns eine Benennung nicht wichtig erscheint. In der folgenden Serie von Beiträgen (einer Reicht nicht ;-)) wollen wir uns des Themas etwas annehmen. Zum einen aus der Betrachtung von Außen, von Innen und zuletzt auch noch ob es Alternativen gibt, Parallelen (kleiner Wortwitz) und ein Fazit.

 

Was sind Parallelgesellschaften und gibt es mehr als man glaubt

Eine klare Definition von Parallelgesellschaft kann nicht gegeben werden, beziehungsweise wird der Begriff eher als Schlagwort eingesetzt und ist emotional Aufgeladen und negativ Besetzt. Hier möchte ich auch gleich ansetzen. Im Allgemeinen versteht man darunter eine Einwanderungsgruppe, welche ihre Eigenheiten gegenüber der vorherrschenden Gesellschaft durch Abgrenzung beibehält. Die negative Komponente kommt durch eine Extremisierung und deren Resultate (Anschläge usw.) zum Tragen. Es gibt auch international gesehen andere Beispiele, welche nicht unbedingt zur Extremisierung neigen (Mormonen, Hutterer usw. in den USA).

Nun ist der Begriff Parallel etwas Irreführend. Denn das Wort suggeriert, dass es zu keinen Berührungspunkten kommt. Das ist natürlich nicht möglich, auch nicht wenn man sich in eine Art Einsiedelei zurückzieht. Irgendwo nutzt man Geschäfte, Ämter, Straßen usw.

Und jetzt wird es spannend, denn wenn man nun die Sub-Kultur untersucht, welche suggeriert, dass es um eine Untergruppe mit gleicher Basis geht, findet man bei den Definitionen folgendes:

…bestimmte Untergruppe (Teilmenge) der sozialen Akteure einer Kultur beschrieben wird, die sich im Hinblick auf zentrale Normen deutlich von der „herrschenden“ Kultur abgrenzen…

Also geht es auch hier nicht um die gleiche Basis und es unterscheidet sich meiner Meinung nach wenig von einer Parallelgesellschaft. Auch kommt man so zum Schluß, wenn man den Gedanken weiterspinnt, dass wir von sehr vielen parallelen Gesellschaften umgeben sind.

Da sind die Jugendlichen, die Senioren, die Politiker, die Nerds, Eltern, Precari, Corporate Culture, … Viele dieser Sub-Kulturen haben sich erst in den letzten Jahrzehnten richtig ausgebildet. Wenn wir zum Beispiel die Jugendlichen nehmen, in der Nachkriegszeit gab’s ((vereinfacht gesagt, und die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg berücksichtige ich jetzt einmal nicht)) wurde man vom Kind zum jungen Erwachsenen. Es gab keine speziellen Angebote für Jugendliche, sie sprachen auch keine andere Sprache und hörten keine andere Musik als ihre Eltern. Bald fingen sie sich an abzusondern, indem sie zuerst eine eigene Musik bekamen (zogen sich aber noch wie Bankangestellte an), dann kamen ein besonderes Aussehen und eigene politische Meinungen (Stichwort 68er) bis hin zur heutigen kommerziellen und sozialen direkten Ansprache der Zielgruppe Jugendlicher. Aber auch diese hat sich ja schon wieder aufgeteilt.

Die allgemeine Tendenz, immer kleinere Interessensgruppen zu bilden, bis hin zum Individuum ist schon interessant. Parolen wie: „Du bist wie du bist“, „Du mußt dich nicht anpassen, mag dich selbst, dann mögen dich auch die anderen“ unterstützen Ego-Sub-Kulturen und das wegfallen von sprachlichen und geographischen Grenzen tun ihr übriges. Meine Weltanschauung, meine Werte, meine Informationskanäle, Meine Freunde (real und virtuell).

Aber ist es nun schlecht. Wir leben anscheinend in einer Vielzahl von verschiedenen parallelen Welten und haben, so scheint es, keine Schwierigkeiten mit ihnen umzugehen. Das heißt eigentlich, dass sogenannte „Integrationen“ nicht nötig sind. Es kann zu Spannungen und Abwehrhaltungen kommen, wie wir es auch von anderen Beispielen kennen. Wie würden die Jugendlichen, um das Beispiel von vorher aufzunehmen, reagieren, wenn man sie „integrieren“ möchte.

Es geht also darum um zwei Aspekte. Zum Einen muß jede Sub-Kultur oder Parallelgesellschaft seinen Platz im gemeinsamen Gefüge finden. Zum Anderen müssen auch die Voraussetzungen geschaffen werden, dass sich die Sub-Kulturen auch ihres Status bewußt werden. Damit meine ich, dass sie einsehen dass sie die gleichen Rechte haben, diese auch einfordern können, sich aber auch an die gleichen Grenzen halten müssen.

Und was bedeutet das für Südtirol. Wir können so einiges davon ableiten. Das nächste Mal möchte ich in diesem Kontext auf Südtirol von „außen betrachtet“ eingehen. Wie wird Südtirol gesehen, und wie unterschiedlich ist die Wahrnehmung in Nord und Süd.

 

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