Dorfchroniken ins Netz

Letzten November fand der 10. Tag der ChronistInnen in Bozen statt. Leider haben wir den Event verschlafen, aber dank einer Radiosendung konnte ich einige Ausschnitte und Interviews nachhören und da sind mir ein paar Gedanken gekommen. Am meisten haben mich die Problematiken interessiert und die neuen Perspektiven durch das Internet.

Welche sind die Herausforderungen?
Zum Einen wurde festgestellt, daß nicht jeder zum Dorf-Chronisten geboren ist, auch wenn sehr viele es theoretisch machen könnten. Wer sich nur auf bestimmte Aspekte konzentrieren möchte eignet sich nicht, da er nicht die gesamte Palette an Ereignissen abbilden möchte/kann. Mehrere Chronisten am Projekt Dorfchronik arbeiten zu lassen scheitert oft an organisatorischen und finanziellen Mitteln. Da sind wir auch schon bei einem weiteren Aspekt, das Geld. Solche Bücher kosten bis zuletzt oft mehr als 100.000 Euro, wobei dann ein großer Teil an Druck- und Layoutkosten ((Kosten für die Gestaltung des Buches und für Vorbereitung für den Druck)) geht. Die Entlohnung der Chronisten selbst hingegen ist oft dürftig und macht nur einen kleinen Teil der Kosten aus. Ein weiteres Problem ist die Ausrichtung und Lesbarkeit. Wie Umfangreich soll das Buch sein, wie viele Fotos sollen gezeigt werden. Sollen die Texte eher wissenschaftlich sein, oder eher Geschichten erzählen. Ist das Buch nur ein Prestige-Objekt oder wird es auch wirklich gelesen. Alles Themen welche die Realisierung einer Dorfchronik zumindest zur Diskussion stellen.

Diese und ähnliche Thematiken sind nichts neues und treten auch in anderen Bereichen auf in denen Informationen gesammelt, verarbeitet und veröffentlicht werden. Eigentlich ist es das Um und Auf. Nicht nur Firmen stehen vor ähnlichen Problemen, welche durch ihr internationales Zusammenarbeiten nach Kosteneffektiven Möglichkeiten sucht Wissen, welches von verschiedenen Mitarbeitern geschaffen wird, zu sammeln und allen Interessierten zugänglich zu machen. Auch Wissenschaftler, Historiker, Behörden usw. standen und stehen vor diesen Herausforderungen. Und gerade aus dieser Herausforderung entstand das World Wide Web. Mit den Jahren entstanden immer bessere Werkzeuge um Inhalte zu erstellen und die angesprochenen Probleme zu lösen.

Das Internet als Lösung?
Inzwischen finde ich, daß die Verbreitung der Internetzugänge ((besonders wenn man einen Mittelfristigen Zeitraum betrachtet)) und die Werkzeuge inzwischen so weit gediehen ist,daß man darüber nachdenken sollte die Dorfchroniken im Internet erstellen sollte. Die daraus resultierende positiven Effekte wirken sich nicht nur auf die Kosten aus, sondern auch im organisatorischen Bereich gäbe es erhebliche positive Ergebnisse zu erwarten. Das Mitmach-Internet (Stichwort User-Generated-Content) macht es vor und mit geringen Moderationsaufwand ließen sich viele Inhalte erstellen, verwalten und veröffentlichen.

Und für das Bücherregal?
Natürlich ist zu Bedenken, daß ein gedrucktes Buch heutzutage immer noch einen höheren Stellenwert genießt. Ich könnte mir deshalb auch vorstellen, daß man auch weiterhin eine „offline-Version“ erstellt. Aber auch hier kann man mit Hilfsmittel aus der Wirtschaft Kosten und Aufwand sparen. Zum Beispiel könnte man Werkzeuge zur KatalogerstellungZweckentfremden . Die Inhalte für das Netz typischerweise in Datenbanken abgelegt und diese könnte man mit diesen Werkzeugen auslesen um automatisch ein Buch zu erstellen. Auch hier könnte natürlich eine Redaktion Beiträge und Themen auswählen um einen Sinnvollen Umgang zu erlangen und die Qualität der automatisch erstelltenPublikationen stehen inzwischen denen welche von Hand erstellt werden in nichts nach.

Fazit
Man könnte also abschließend sagen, daß eine Neuorientierung auch für die kleine Dorfchronik viele Vorteile hätte und wir vor einer noch nie da gewesenen Lebendigkeit der Geschichtsschreibung stehen würden. In der Zwischenzeit bleiben nur die Blogs und die persönlichenWebseiten um einen Einblick in das alltägliche Leben der Südtiroler zu werfen. Vielleicht auch nicht der schlechteste Ansatz, so kann sich jeder seine Chronik selbst zusammenstellen.

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