Neue Zentralen braucht das Land

Keinem ist es verborgen geblieben. Noch nie wie in den letzten paar Jahren wurden so viele neue Verbands- und Verwaltungsgebäude neu errichtet und eingeweiht. Allem gemein ist, daß sie schön, groß und teuer waren. Einige Beispiele sind die neue Handelskammer, Verband der Kaufleute und Dienstleister, Landesverband der Handwerker. Und gebaut werden diese Bauten mit Steuer- oder/und Mitgliedergeldern. Da stellt sich schnell die Frage ob sich der Verband es sich nicht zu gut gehen läßt und lieber die Beiträge senken oder mehr Dienstleistungen anbieten sollte an Stelle der repräsentativen Gebäude.

SEL ZentraleEs ist schnell klar, ob es nun eine öffentliche Einrichtung ist oder ein Verband, daß die Verantwortung der Gelder im Vordergrund stehen sollte. Es kann durchaus sein, daß ein Neubau auch aus finanziellen Gründen sinn macht. Radio Bremen, z.B. hat im Zuge seiner Reform nicht nur einige hundert Mitarbeiter entlassen, sondern die restlichen Mitarbeiter in einem einzigen Neubau zusammengebracht. Erst so konnten die neuen Multimedia-Redaktionen entstehen und die Einsparungen auch zu neuen Ergebnissen führen, nicht nur zu Kürzungen.

Aber gerade an dieser Messlatte scheitern oft die neuen Zentralen. Es wird zwar angepriesen, daß sich jetzt alles unter einem Dach befindet, aber nur deshalb wird die Dienstleistung nicht automatisch besser. Oft sind die neuen Zentralen einfach nur Herberge für zu stark angewachsene Apparate, welche die gleichen Aufgaben wie immer, aber mit mehr Leuten bewerkstelligen. Wenn man jedoch diese oft augenscheinlichen Faktoren außer Acht läßt könnte man immer noch argumentieren, daß ein wenig Bescheidenheit beim Bau nicht falsch gewesen wäre.

Aber hier schlägt die eine berüchtigte Falle zu. Leider schätzt der Mensch all zu oft die falschen Dinge als wichtig ein oder, wie in diesem Beispiel, glaubt daß eine bescheidenere bauweise zu wesentlichen Einsparungen geführt hätte. Es ist sogar so, daß am falschen Platz gespart oft höhere Folgespesen nachzieht. Außerdem sind die Mehrkosten auf die Dauer welche eine Immobilie genutzt wird zu sehen und da relativieren sich viele Summen recht schnell.

Neue HandelskammerIch möchte noch ein Beispiel aus der Wirtschaft anführen, einem Bereich also wo das wirtschaftliche Handeln im Vordergrund steht. Ein Großhandelsunternehmen hat seinen Büros erweitert und die alten auf den neuesten Stand gebracht. Nicht nur energietechnisch (siehe Klimahaus) sondern auch von den Arbeitsplätzen her und großzügigen Gängen, Hallen, Sitzungsräumen. Alles vom Feinsten. Die Kunden sind bei Besuchen schon fast sprachlos und Kommentare darüber, daß lieber die Preise reduziert werden sollten fallen recht schnell. Aber wenn man dann erklärt, daß die Mehrkosten zwischen 5-10% lagen und diese auf 25 Jahre verrechnet würden kommt schnell die Einsicht, das es nichts gebracht hätte einen Rabatt von 0,4% pro Jahr zu erhalten.

Man sieht, daß man sich weniger über die Ausstattung von Gebäuden aufregen sollte, sondern eher den Fragen auf den Grund gehen warum ein neues Gebäude gebraucht wird. So manches mal würde bei einer Grundsatzfrage dann herausstellen, daß man zwar ein neues Gebäude braucht, aber ein kleineres als man bisher hatte.

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