Maulkorb oder wilder Westen?

MaulkorbDies war der Titel eines Seminars des Amtes für deutsche Kultur und Famile – Abteilung Audiovisuelle Medien. Ein interessanter Titel und deshalb ein Muß für eine engagierten Blogger. Ich habe mich also auf den Weg in die Landeshauptstadt gemacht und mir von Hansjörg Kucera, ehemaliger Chefredakteur des Senders Bozen, der den Kurs abhielt erzählen lassen was Sache ist.

Der Nicht-Kurs
Ich nehme es gleich vorweg, so richtig ist das Thema nicht behandelt worden. Nicht daß Herr Kucera nicht kompetent wäre oder gar parteiisch, aber der Nachmittag war weniger ein Kurs als ein Diskurs. Denn nach einer sehr langen Einleitung und Vorstellung der Kursteilnehmer ((zu jedem bekannten Gesicht wußte er eine Geschichte zu erzählen)) ging es bald mehr um Mediengeschichte als um das eigentliche Thema. Es wurde zwar immer wieder auf den Art. 21 der Verfassung (das Recht auf Meinungsfreiheit) und auf die relevanten Gesetze im Bereich von Radio, Fernsehen und der Journalistenkammer, aber gerade weil HerrKucera aus der Radiowelt kommt wurde dieses Thema stark thematisiert.

Es war durchaus interessant zu hören, daß auch private Medien von öffentlicher Hand versteckt subventioniert werden, durch eine „Werbepflicht“. In Südtirol beträgt die Quote der Werbeausgaben welche an private Medien geht sogar 25%. Die Folgen für die Presse- bzw. Meinungsfreiheit wurden nur nur über Umwege erklärt. Denn viele private Medien können nur durch diese Förderungen überleben und da tut man sich natürlich schwer kritisch zu sein.

Neues von der Journalistenkammer
Beim Thema Journalistenkammer ((ich muß zugeben, darauf habe ich sehr gedängt)) kann man ein paar Neuigkeiten verkünden. Sie ist im Umbruch, denn wie so manches „Albo“ ist die EU nicht gerade gut darauf zu sprechen, da sie den freien Arbeitsmarkt behindern. Es geht also um eine Reformierung. An Stelle der aufwendigen Prozedur soll nun ein Master in Kommunikationswissenschaften ausreichen. Also wieder eine Hürde, welche die Qualität nicht garantiert und den Zugang für Quereinsteiger verhindert. Für mich kein Schritt in die richtige Richtung. Die Argumentation,daß man vom Fach sein muß um auch die gesetzlichen Hintergründe zu kennen usw. leuchtet mir nicht ein. An die Gesetze halten müssen wir uns alle, ob wir sie kennen oderncht. Es liegt an uns richtig Informiert zu sein. Wer etwas veröffentlicht muß wissen auf was er sich einläßt, daß er nur nachprüfbare Tatsachen vermittelt und keine Mutmaßungen anstellt, daß er niemanden Verleumdet und das Persönlichkeitsrecht wahrt. Wer sich nicht schlau macht ist selber schuld. Deshalb braucht es in dieser Hinsicht keine Regelung, da die gesetlichen Rahmenbedingungen ausreichen.

Zum eigentlichen Thema
Abschließend kamen wir dann aber doch zum Thema und Herr Kucera war sehr zuversichtlich bezüglich der Pressefreiheit in Südtirol. Es hat sich in den letzten Jahre sehr viel getan und das Monopol derAthesia ist etwas schwächer geworden. Natürlich sind die Medien dieser Gruppe sehr Meinungsbildend und die Konkurrenz hat schwierigekeiten weil unser Markt einfach nicht so groß ist. Man muß sich die Meinungen zusammensuchen. Bedenklich fand ich jedoch den Ansatz, dar sehr stark verteidigt wurde, daß die Medien und die Journalisten die Relevanz der Themen bestimmen sollen. Auf der einen Seite ist es natürlich schon so, daß nicht alles und jeder für alle Relevant sein kann. Auch die konsumierende Masse sollte nicht zu stark ein Medium (nehmen wir mal die Presse) beeinflussen, denn danngäb es wahrscheinlich nur noch die Bild ;-). Aber die Entscheidung welche „Nische“ gerade am Zug ist, oder welches Lager gerade vertreten wird sollte doch transparenter sein.

Internet als Chance
Deshalb ist gerade das Internet und die Blogs ein wichtiges Thema. Es ermöglich Sparten- und Nischeninformation, welche aber einfach einem potentiell großem Publikum zugänglich gemacht werden kann. Man könnte Blogs auch als virtuelle Leserbriefe verstehen, mit direkter Diskussionmöglichkeit. Der Nutzer kann selbst Programmdirektor undZeitungschef sein und die Inhalte selbst zusammenstellen. Natürlich sind die klassischen Medien heutzutage noch leichter Zugänglich (als Konsument), aber es gab ja schließlich auch Zeiten in denen nicht jeder lesen oder sich ein Radio leisten konnte. Die nächste Generation wird es alsnatürlich erachten sich auch im Internet zu informieren und ich hoffe, daß aber schon jetzt die Grundlagen geschaffen werden daß dort vielseitigere Informationen vorhanden sind, auch über Südtirol.

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4 Gedanken zu “Maulkorb oder wilder Westen?

  1. da solltest du mal „legge Levi-Prodi“ googlen (apropos Maulkorb). Zum Glück ist sie in letzter Sekunde nicht durchgekommen. Da bist du vielleicht doch froh ein Quereinsteiger zu sein. Solche hat es immer gegeben – nur sind es hier zu lande freie Mitarbeiter(innen) der versch. Medien. Da darfst du dann auch um einen Publizistenausweis ansuchen, sodass du dann auch brav in den Pensionsfond der Journalisten einzahlen darfst (INPGI2).

  2. da solltest du mal „legge Levi-Prodi“ googlen (apropos Maulkorb). Zum Glück ist sie in letzter Sekunde nicht durchgekommen. Da bist du vielleicht doch froh ein Quereinsteiger zu sein. Solche hat es immer gegeben – nur sind es hier zu lande freie Mitarbeiter(innen) der versch. Medien. Da darfst du dann auch um einen Publizistenausweis ansuchen, sodass du dann auch brav in den Pensionsfond der Journalisten einzahlen darfst (INPGI2).

  3. Ja, diese Regelung kenn ich. Hat aber immer den Nachteil, wenn ich mich nicht Irre, daß es da auch ganz schön hohe Hürden gibt. Auszug aus der Regelung:

    Il giornalista pubblicista è colui che svolge attività giornalistica non occasionale e retribuita anche se esercita altre professioni o impieghi. Condizioni necessarie per l’iscrizione all’albo dei giornalisti pubblicisti: aver compiuto diciotto anni di età, aver svolto per due anni un’attività giornalistica non occasionale (almeno 60-70 articoli pubblicati su giornali e periodici) e retribuita regolarmente (attestata da una dichiarazione del direttore amministrativo). Al momento dell’iscrizione all’albo verrà rilasciato al giornalista un apposito tesserino, anch’esso di colore rosso, attestante l’avvenuta registrazione nell’elenco professionale regionale.

    Naja, schauen wir mal wie sich das entwickelt.

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