Treten für die Umwelt

Twike in EchtAuf der Energie Passeier die vor zwei Wochen in St. Leonhard stattfand konnten man sich über zeitgemäßes Bauen und Energiesparen informieren. Denn Sinn dieser Veranstaltung möchte man erahnen, die Sinnhaftigkeit aber trotzdem bezweifeln. Sie ist eine Gegenveranstaltung zur Klimahouse in Bozen und propagiert auch nicht das einheimische Klimahaus, sonder das deutsche Passivhaus. Organisiert von einem Berater (Berthold Prünster) schafft sie also eher Verunsicherung im ganzen Passiv-Klima-Haus-House Definitionswirrwarr. Nachdem das Thema aber wichtig ist und man keine Plattform auslassen kann, haben sich auch Landesrat Michl Laimer und Norbert Lantschner zu Vorträgen beim Konkurrenten hinreisen lassen.

Die Besucherzahlen waren nicht gerade berauschend, trotz Medienrummels und deshalb wäre eine Konzentration auf einen einzigen Event im Jahr glaub´ich besser. Aber trotz dem negativen Eindruck den die Veranstaltung hinterlassen hat gab es auch Lichtblicke. Zugegeben auch etwas zum Schmunzeln anregende und vor allem Visionäre.

Zu sehen waren nämlich zwei Twikes. Aber was sind Twikes?

Laut Definition:

Das TWIKE ist ein hocheffizientes dreirädriges Leicht-Elektromobil für zwei Personen. Als erstes Automobil kombiniert das TWIKE in der Version „Active“ den Elektromotor mit einem Pedalantrieb. Die Muskelkraft wird direkt in Bewegungsenergie umgesetzt. Die neuartige Joysticksteuerung garantiert eine leichte Navigation und Fahrspaß pur. Diese bahnbrechende Kombination vermittelt ein völlig neues Fahrgefühl bei Spitzengeschwindigkeiten um 85km/h.

Innenraum computergeneriertAuf den ersten Blick sieht es vom Design her eher aus, als wäre es in den 60ern entstanden und in Wirklichkeit sind sie auch nicht so nobel verarbeitet wie auf den offiziellen Renderings ((vom Computer generierte Bilder)) und Fotos. Und das bei einem stolzen Preis. Praktisch alles ist extra zu bezahlen ((wie früher bei Mercedes)) und kommt zu den 15.400 € für das Modell Mensch+Maschine (Treten+Elektromotor) dazu. Am frechstenfinde ich dabei die 1.700 € für die Farblackierung nach Wunsch und den 1.185 € für das Autoradio mit Lautsprechern ((Ich habe 500 € für Autoradio, Boxen, Subwoofer fertig eingebaut bezahlt)). Von den 580 € für eine Lade-Entladelogik ganz zu schweigen, damit die Batterie länger hält.

Auch wenn ich die Grundidee toll finde hat es doch immer noch einen großen Haken. Die Batterie. Ich meine jetzt ganz nicht von der Reichweite, die lassen wir mal dahingestellt. In der Standardausführung verwenden sie NiCd mit nur 1.500 Ladezyklen. Die haben ja zum Einen den famosen Memory-Effekt, deshalb auch die spezielle Ladestation. Das heißt, dass wenn ich mir ausrechnen kann, dass ich mit der restlichen Reichweite nicht an mein Ziel komme,muß ich die Batterie also zuerst entladen und dann erst wieder aufladen. Twike Pedale (unbetreten)Hinzu kommt, das ich bei nach theoretisch 1.500 optimalen Ladezyklen die Batterie entsorgen muss (das kostet) und mir eine neue für ein paar tausenden Euro kaufen muss. Und 1.500 Zyklen heißt, wenn ich 5x in der Woche die Reichweite ausschöpfe ((Arbeit hin und zurück ca. 70 Kilometer),daß die Batterie im besten aller Fälle nach knapp 6 Jahren wegschmeisen kann (5.950 €). Die Reichweitenstarke NiMh hat sogar nur 700 Ladezyklen kommt das Aus schon nach 5,5 Jahren (9.450 €).

Da kann man sich dann die Betriebskosten selbst ausrechnen, Versicherung, Strom und Verbauchsgüter sind da noch nicht dabei. Ob das einen Vergleich mit dem Auto standhält weiß ich nicht. Die Vergleiche welche auf der Homepage angegeben sind kann man nicht nachvollziehen. Sie sind nicht transparent, es wird nicht angegeben mit welchen Autos verglichen wird. Leider.
Auf der Website ist zu lesen:

Das TWIKE trägt mit seiner Nullemission dazu bei, unsere Luft rein zu halten. Noch umweltfreundlicher wird die TWIKE-Fahrt, wenn der benötigte Strom aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen wird.

und weiter

Für die Herstellung des TWIKE werden rund 8400 kWh benötigt. Bei der sogenannten „grauen Energie“ (die Herstellungs- und Entsorgungsenergie) ist das TWIKE incl. Batterien um den Faktor 5 sparsamer als ein herkömmliches Auto. Übrigens: in der Gesamtbilanz eines Autos schlägt die graue Energie mit ca. 25% zu Buche.

Aber hier keine konkreten Rechenbeispiele. Auch keine Zertifizierungen (das Guinness-Buch der Rekorde lasse ich nicht gelten) und keine Transparenz. Hier muß nachgearbeitet werden, denn mit bloßen Versprechungen kann man nichts erreichen.

Zu guter letzt die Sicherheit. Eigentlich will ich erst gar nicht anfangen. Normale Autos werden mit 65 Km/h getestet und schauen danach oft ziemlich zerlegt aus, was bei dieser Schachtel dabei rauskommt möchte ich nicht wissen. So altbackene Sachen wieAirbags gibt’s hier drin natürlich nicht, würde ja auch nur alles Schwerer machen.

Ja, Ja shoppen kann man dann auch nochNachdem es diese Twike schon seit 10 Jahren gibt wären ein paar Praxisbezogene Daten schon schön. Wie lange hat die Batterie wirklich gehalten? Wie oft gab es Unfälle und vor allem wie sind die ausgegangen? Wie lange braucht man im täglichen Gebrauch für das Entladen und Laden? Und da würde mir noch viel einfallen. Damuß also noch nachgearbeitet werden, vielleicht sollte ich ihnen mal schreiben.

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