Wenn einer eine Reise tut…

Die Kirche von Pomarico Matera
dann kann er was erleben! So heisst doch der schöne Spruch und ist auch wahr! Die betreffende Reise liegt zwar schon einige Monate zurück aber es wollte sich nicht die rechte Muße einstellen. Spaghetti-mit-Knödel-Bezug? Ganz einfach, vor vielen, vielen Jahren gab es doch in den späten 50ern eine große Einreisewelle aus Süditalien nach Südtirol. Über die politischen Hintergründe derselben ist ja schon viel Tinte geflossen. Was aber am großen bzw. kleinen Tisch der Weltgeschichte gern vergessen wird, daß hinter solchen Bewegungen immer Menschen stehen, Einzelschicksale auf der Suche nach … Glück …. Geld Arbeit usw.!

Diese Menschen leben seit Jahrzehnten in allen Ecken Europas, denn nicht zu vergessen auch das Wirtschaftswunderland Deutschland hat viele süditalienische Auswanderer dieser Zeit aufgefangen.

Wir haben andhand einer Person versucht die Reise mal „umzudrehen“ und mit ihr in sein Heimatdorf zurückzukehren.
Es ging Anfang Mai nach Pomarico in die Provinz Matera, ein 5000 Seelen dorf ca. 30 km von der Provinzhauptstadt Matera entfernt. Vor genau 50 hat mein Begleiter diese Reise in umgekehrter Richtung gemacht. Auf der Suche nach Arbeit und Auskommen. Nach einer 12stündigen Fahrt mit Trenitalia kamen wir mehr als pünktlich in Bari an. Von dort aus ging es dann die ca. 130 km nach Pomarico mit dem Taxi weiter. Der Zustand der öffentlichen Verkehrsmittel ist katastrophal. Die Vetturina ist eine Provinzbahn ohne direkten Anschluss an die Staatsbahnen mit einem sehr eigenwilligen Fahrplan. Eine neue Linie steht schon seit 20 Jahren ist aber praktisch ungenützt. Keine Autobahn nur eine 2 spurige Staatsstrasse auf dem Tieffliegen angesagt ist. Landschaftlich wunderschön geht es nach Matera Trulli überall, soweit das Auge reicht, die es aber in der Gegend von Matera nicht mehr zu sehen gibt. Auch hier sieht man schon wie strukturschwach die Gegend ist. In Matera, einer Stadt mit ungefähr der Einwohnerzahl von Meran gibt es anscheinend nur ein Taxi. In Pomarico, gibt es nur eine „Industriezone“ und da steht eine Werkhalle wo sage und schreibe 2 Firmen aktiv sind. Es gibt kein Hotel, nur ein Restaurant bietet auch Zimmer an! Wenn man da an unsere Dörflein denkt wo überall Gewerbe- und Handwerkerzonen glänzen.

Daß Apulien und Basilicata noch immer Auswanderungsländer sind ist also kein Wunder. In solchen Häuser wohnten Leute vor 50 Jahren.
Verlassene Gebaeude ueberall
Keine Struktur, wenig Handwerk, Industrie gibts, aber in den größeren Städten konzentriert und Tourismus ist auch noch kaum eine Einnahmequelle.

Doch nun zu den schöneren Aspekten. Die Landschaft ist wunderschön und touristisch noch kaum erschlossen ((in diesem Fall ist dies ein Vorteil)) Ginster überall der natürlich im Mai in voller Blüte steht, hunderte von „Nibbi“ also Milanen ein Wahrzeichen dieser Gegend ziehen ihre Kreise am Himmel. Matera mit seinen Sassi ist sehenswert.

Das
Man kann also die Gegend noch ursprünglich genießen! Die Leute sind freundlich, und danke meiner verwandtschaftlichen Bande wurde ich von Haus zu Haus auf einen Kaffee eingeladen, bis man zu zittern anfing. Das Essen fänomenal, Nudeln werden dort vielerorts immer noch von Hand gemacht und das ist dann wirklich spektakulär, jede Familie scheints hat ein paar Meter Grund und produziert ihr eigenes Öl, Wein o.ä. welches natürlich immer das Beste ist. Landwirtschaftlicher Grund kostet kaum was 1.000 – 2.000 Euro pro HEKTAR (kein Tippfehler). Deswegen gibts auch viele ältere Herren, die mit alten Pandas, Fiat 147 ((die gabs mal !!!)) usw. durch die Gegend kurven, im Kofferaum Schaufel und Pickel, bzg. den Lohn der Arbeit.

Auch die Immobilien sind billig. Die Familienbande sind eng verwoben und jeder scheint irgendwie mit jedem verwandt. Viele ältere Herren stehen auf der „Piazza“ wenns auch kitschig klingt, ratschen und diskutieren über Gott und die Welt, genau so wies man sich vorstellt. Und natürlich entgeht auch keinem unsere Anwesenheit. Wie auch generell die Sicherheitslage gut ist. Ich habe erlebt, wie Autos ohne abzuschliessen mit Schlüsseln im Schloss stehen gelassen werden. Mir wurde später erklärt, daß dies eigentlich ganz normal sei, jeder kennt jeden, und wenn mal was passiert macht das sofort die Runde.

Die „Pomaricenser“ sind ganz stolz auf ihr Dorf und vor allem auf IHREN Patron , den Heiligen Michael, den zu Ehren sie im Mai ein großes Kirchweihfest feiern, das 3 Tage dauert. Ich mußte das Dorf leider wegen meiner Rückreise vorher verlassen. Aber ich konnte die Vorbereitungsarbeiten beobachten, bekannte Sänger werden eingeladen und es aus allen Ecken der Welt kehren sie in ihr Dorf zurück. Der Heilige wird am ersten Tag stundenlang durchs Dorf getragenund ist mit ExVoto in Gold von ca 30 Kilo beladen. Das ist wirklich der Event des Jahres dort. Und es gibt keine Familie wo es nicht einen Michael gibt.

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2 Gedanken zu “Wenn einer eine Reise tut…

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