Heimat, da tun wir uns doch leicht, oder?

Hat jemand von euch Lesern schon mal versucht den Begriff Heimat jemanden zu erklären, der nicht deutsch spricht. Egal ob es jetzt ein italienisch sprechender Mitbürger ist oder jemand, der aus dem Ausland kommt. Es wird schwierig. In vielen Sprachen findet unsere Definition der Herkunft bzw. des Ortes wo man sich „behoamatet“ fühlt keine Entsprechung. Da ist das Konzept eher auf das Land/Staat bezogen aus dem man kommt. Yoda, hat in seinem Blog, seine Leser aufgerufen Ihren Heimatbegriff zu veröffentlichen, wir deutschsprachige Südtiroler haben es diesbezüglich zweifach leicht.

Erstens sind wir eine sprachliche Minderheit im Staate Italien. Deshalb fühlen wir Heimat eher dort, wo unsere Sprache gesprochen wird. Zweitens unterstützt unser Kirchturmdenken natürlich sehr die Einschränkung seiner Herkunft auf ein kleines Gebiet – ob es nun ein geographisches ist oder ein emotionales ((sprich nur die Familie und besten Freunde)) spielt meiner Meinung nach keine Rolle.

Was für uns aber durchaus wichtig ist, glaub ich, ist die Tatsache dass wir in einer Landschaft leben, welche Eindruck hinterlässt. Auch auf uns, die wir glauben, dass wir uns daran gewöhnt haben. Wer für längere Zeit ((nicht nur zwei Wochen Urlaub)) Südtirol verlassen hat und die Berge wieder sieht, den erfüllt ein besonderes Gefühl. Man meint fast etwas wiedergefunden zu haben, von dem man gar nicht wusste dass man es verloren hatte. So fühlt sich Heimat an.

Manch einer meint natürlich, dass man dieses Gefühl instrumentalisieren kann. Vielleicht fühlt man sich auch deshalb oft etwas befremdlich, wenn man auf manchem Leibchen geschrieben steht: „Dem Land Tirol die ewige Treue“. Das geht mir zu weit, meine Heimat gehört mir und die kann mir auch niemand nehmen. Aber es braucht mir auch niemand zu sagen, was oder wo meine Heimat ist.

Foto Copyright: WeatherMaker

30 Gedanken zu “Heimat, da tun wir uns doch leicht, oder?

  1. Du sprichst mir zutiefst aus dem Herzen. Dieses Gefühl, das du ansprichst, habe ich erst kennen gelernt, als ich fürs Studium nach Österreich gegangen bin (nein, nicht nach Innsbruck – die fahren ja am Montag weg und am Donnerstag wieder heim 😉

  2. Du sprichst mir zutiefst aus dem Herzen. Dieses Gefühl, das du ansprichst, habe ich erst kennen gelernt, als ich fürs Studium nach Österreich gegangen bin (nein, nicht nach Innsbruck – die fahren ja am Montag weg und am Donnerstag wieder heim 😉

  3. Bin vor ca.2 Jahren von Suedtirol, meiner Heimat, nach Asien (zuvor Vietnam, nun China) abgereist und vermisse es hin und wieder. Deshalb (und nicht nur deshalb) lese ich diesen Blog. Aber ich muss ehrlich sein, mir ist mittlerweilen Suedtirol zu eng geworden, das merkte ich das letzte mal zu Hause (vor einem Jahr!!!). Aber sobald ich dann auf MEINEN Bergen im Groedental war, fuehlte ich etwas was mich ploetzlich in meine Kindheit transportierte. Es gibt kein staerkeres, traurigeres und zugleich schoeneres Gefuehl: diese bittersuesse Sehnsucht nach den guten alten Zeiten, mitten in der Ruhe der Dolomiten, der Geruch von Gras, die stechende Kaelte abends, die leeren Pisten morgens, die rosaroten Berge am Sonnenuntergang, die Waerme der Stube… oh mein geliebtes Suedtirol ich vermisse dich so, aber du bist mir einfach zu klein geworden!!

  4. Bin vor ca.2 Jahren von Suedtirol, meiner Heimat, nach Asien (zuvor Vietnam, nun China) abgereist und vermisse es hin und wieder. Deshalb (und nicht nur deshalb) lese ich diesen Blog. Aber ich muss ehrlich sein, mir ist mittlerweilen Suedtirol zu eng geworden, das merkte ich das letzte mal zu Hause (vor einem Jahr!!!). Aber sobald ich dann auf MEINEN Bergen im Groedental war, fuehlte ich etwas was mich ploetzlich in meine Kindheit transportierte. Es gibt kein staerkeres, traurigeres und zugleich schoeneres Gefuehl: diese bittersuesse Sehnsucht nach den guten alten Zeiten, mitten in der Ruhe der Dolomiten, der Geruch von Gras, die stechende Kaelte abends, die leeren Pisten morgens, die rosaroten Berge am Sonnenuntergang, die Waerme der Stube… oh mein geliebtes Suedtirol ich vermisse dich so, aber du bist mir einfach zu klein geworden!!

  5. Die Uni in Innsbruck ist schon auch ein Hemmschuh um etwas mehr vom Leben außerhalb der Täler mitzubekommen. Ich wünschte mir ja, dass mehr Studenten in der „Ferne“ ihren Abschluss machen würden um wirklich neue Impulse ins Land zu bringen. Aber wer es finanziell nicht packt hat in Innsbruck und Bozen auch noch eine Chance auf eine Hochschulbildung.

  6. Die Uni in Innsbruck ist schon auch ein Hemmschuh um etwas mehr vom Leben außerhalb der Täler mitzubekommen. Ich wünschte mir ja, dass mehr Studenten in der „Ferne“ ihren Abschluss machen würden um wirklich neue Impulse ins Land zu bringen. Aber wer es finanziell nicht packt hat in Innsbruck und Bozen auch noch eine Chance auf eine Hochschulbildung.

  7. Heimat bedeutet für mich das ich mich an jenem Ort einfach sicher und „geborgen“ fühle.. dieser muss nicht unbedingt das Leben lang der gleiche sein.

    Es ist einfach das Gefühl das man hat nachdem man von einer Reise zurückkommt.. man weiss wos lang geht, wie und wo man was findet, die Sicherheit zu haben das wenn einem irgendwas zustossen sollte man genau weiss wo und an wem man sich wenden soll.

    Ich bin privat oft mit dem Auto im Ausland. Ich weiss nicht wieso aber wenn ich den Brenner überqueere bin ich froh.. irgenwie ist für mich der Verkehr sofort wieder vertraut, obwohl sich ja in den letzten paar Km nichts verändert hat. Genau dasselbe gefühl hatte ich in der Schweiz, wo ich mehrere Jahre lebte.

  8. Heimat bedeutet für mich das ich mich an jenem Ort einfach sicher und „geborgen“ fühle.. dieser muss nicht unbedingt das Leben lang der gleiche sein.

    Es ist einfach das Gefühl das man hat nachdem man von einer Reise zurückkommt.. man weiss wos lang geht, wie und wo man was findet, die Sicherheit zu haben das wenn einem irgendwas zustossen sollte man genau weiss wo und an wem man sich wenden soll.

    Ich bin privat oft mit dem Auto im Ausland. Ich weiss nicht wieso aber wenn ich den Brenner überqueere bin ich froh.. irgenwie ist für mich der Verkehr sofort wieder vertraut, obwohl sich ja in den letzten paar Km nichts verändert hat. Genau dasselbe gefühl hatte ich in der Schweiz, wo ich mehrere Jahre lebte.

  9. Ich erinnere mich auch schon als Kind anhand der Straßenschilder erkannt zu haben wir in heimischen Gefilden zu sein. Da waren auch die Farbmarkierungen auf der Straße noch in anderen Farben. Durch die Standardisierung fallen diese Merkmale ja zunehmend weg, ein Glück dass die Landschaft im Großen und Ganzen nicht vereinheitlicht werden kann.

  10. Ich erinnere mich auch schon als Kind anhand der Straßenschilder erkannt zu haben wir in heimischen Gefilden zu sein. Da waren auch die Farbmarkierungen auf der Straße noch in anderen Farben. Durch die Standardisierung fallen diese Merkmale ja zunehmend weg, ein Glück dass die Landschaft im Großen und Ganzen nicht vereinheitlicht werden kann.

  11. Hallo!
    Heimat kann auch ein momentaner Zustand sein. Die Ebereschen in der Oberschütt haben keine Früchte mehr, im heißen Sommer sind sie verdorrt. Die Äste sind kahl, als wäre es bereits Winter. Der Föhn fällt vom Dobratsch, fegt die Blätter von der Straße und schiebt die Regenwolken vor die Sonne, bald ist Endzeit. Drei Atemzüge ist es still, dann bricht der Sturm los, wirbelt die Plastiksäcke und Papierschachteln durch die Luft und bringt die Kirchenglocken zum Klingen. Der Wind braust um das gelbe Haus. Die Frau mit den Krücken verlässt den Friedhof und weint. Die Pferde wiehern, warum. Im Stall scharren die Kühe mit den Füßen, zerren an den Ketten und niemand kommt. Eine nasse Katze läuft die Strasse entlang, man weiß nicht wohin. Auf der Bank bleibt ein Mann im Regen sitzen, man sieht nicht wie lang. Niemand hat ihn eingeladen, es genügt ihm ein Stück Brot. Es läuten die Kuhglocken. Das Wasser kommt.

    Gruss schlagloch.

  12. Hallo!
    Heimat kann auch ein momentaner Zustand sein. Die Ebereschen in der Oberschütt haben keine Früchte mehr, im heißen Sommer sind sie verdorrt. Die Äste sind kahl, als wäre es bereits Winter. Der Föhn fällt vom Dobratsch, fegt die Blätter von der Straße und schiebt die Regenwolken vor die Sonne, bald ist Endzeit. Drei Atemzüge ist es still, dann bricht der Sturm los, wirbelt die Plastiksäcke und Papierschachteln durch die Luft und bringt die Kirchenglocken zum Klingen. Der Wind braust um das gelbe Haus. Die Frau mit den Krücken verlässt den Friedhof und weint. Die Pferde wiehern, warum. Im Stall scharren die Kühe mit den Füßen, zerren an den Ketten und niemand kommt. Eine nasse Katze läuft die Strasse entlang, man weiß nicht wohin. Auf der Bank bleibt ein Mann im Regen sitzen, man sieht nicht wie lang. Niemand hat ihn eingeladen, es genügt ihm ein Stück Brot. Es läuten die Kuhglocken. Das Wasser kommt.

    Gruss schlagloch.

  13. Ich persönlich verwende das Wort „Heimat“ überhaupt nicht, für mich ist „Dorhuam“ der entsprechende Begriff. Dorhuam, das heißt so viel wie „Zuhause“ und deshalb würde ich es auch mit „casa“ übersetzen. Der Ausdruck „Heimat“ hat für mich einen patriotischen Beigeschmack, ist nicht geeignet, ein so reines und „unbeflecktes“ Gefühl zu beschreiben, denn der Begriff erweckt in mir stets das Bild eines tiroler Schützen, der in traditioneller Kleidung und beinahe platzend vor lauter Vaterlandsstolz in die Kamera lächelt. Zuhause, also: Mein Zuhause ist dort, wo ich mich aufgehoben und geliebt fühle, steht also in enger Verbindung mit den Menschen, von denen ich umgeben bin. Zuhause ist für mich also nicht nur Südtirol, wo meine Familie lebt und wo ich groß geworden bin, sondern inzwischen auch Florenz, die Stadt, in der ich seit einem Jahr lebe. Inzwischen sage ich, wenn ich zurück ins Heim gehe, „vado a casa“. Das Gefühl des Zuhauseseins steht aber sicherlich auch in Verbindung mit den Gewohnheiten und Erinnerungen, die man mit einem Ort assoziiert, so ist für mich mein kleines Dorf in Südtirol nicht so sehr ein Zuhause, weil ich dort im Gemeindeamt gemeldet bin, sondern viel mehr wegen der Erinnerungen, die in mir hochkommen, jedes Mal wenn ich zurückkehre. In diesem Sinne ist jedoch auch C., der Ort, in dem ich, seit ich denken kann, meine Ferien verbringe, eine Art Zuhause für mich.
    Um aber wirklich aufrichtig zu sein, muss ich zugeben, dass das bedingungslos „echte“ Zuhause wohl jenes ist, in dem wir unsere Kindheit verbringen, schließlich ist sie die prägende Phase des Lebens eines jeden Einzelnen.

  14. Ich persönlich verwende das Wort „Heimat“ überhaupt nicht, für mich ist „Dorhuam“ der entsprechende Begriff. Dorhuam, das heißt so viel wie „Zuhause“ und deshalb würde ich es auch mit „casa“ übersetzen. Der Ausdruck „Heimat“ hat für mich einen patriotischen Beigeschmack, ist nicht geeignet, ein so reines und „unbeflecktes“ Gefühl zu beschreiben, denn der Begriff erweckt in mir stets das Bild eines tiroler Schützen, der in traditioneller Kleidung und beinahe platzend vor lauter Vaterlandsstolz in die Kamera lächelt. Zuhause, also: Mein Zuhause ist dort, wo ich mich aufgehoben und geliebt fühle, steht also in enger Verbindung mit den Menschen, von denen ich umgeben bin. Zuhause ist für mich also nicht nur Südtirol, wo meine Familie lebt und wo ich groß geworden bin, sondern inzwischen auch Florenz, die Stadt, in der ich seit einem Jahr lebe. Inzwischen sage ich, wenn ich zurück ins Heim gehe, „vado a casa“. Das Gefühl des Zuhauseseins steht aber sicherlich auch in Verbindung mit den Gewohnheiten und Erinnerungen, die man mit einem Ort assoziiert, so ist für mich mein kleines Dorf in Südtirol nicht so sehr ein Zuhause, weil ich dort im Gemeindeamt gemeldet bin, sondern viel mehr wegen der Erinnerungen, die in mir hochkommen, jedes Mal wenn ich zurückkehre. In diesem Sinne ist jedoch auch C., der Ort, in dem ich, seit ich denken kann, meine Ferien verbringe, eine Art Zuhause für mich.
    Um aber wirklich aufrichtig zu sein, muss ich zugeben, dass das bedingungslos „echte“ Zuhause wohl jenes ist, in dem wir unsere Kindheit verbringen, schließlich ist sie die prägende Phase des Lebens eines jeden Einzelnen.

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