Bozner Ansichten ohne Aussicht?

Logo Bozner AnsichtenJetzt ist er also gestartet, der große Foto-Wettbewerb der Stadt Bozen. Und hat es jemand mitbekommen? Die tollen Anzeigen waren ja schon zu sehen, aber anscheinend tut sich noch nicht so viel. Das ist auch verständlich. Erstens hat man jede Menge Zeit ((das Erinnert ans Studium, da hat man auch erst drei Tage vor der Prüfung die Bücher aufgeschlagen)), und Zweitens ist der Wettbewerb nur auf die Erwachsenen der Gemeinden Bozen und Jenesien beschränkt, sofern diese nicht Mitarbeiter, sowie Verwaltungs- und Aufsichtsräte der Raiffeisenkasse Bozen Genossenschaft, sowie der Kommunikationsagentur Flora und Partner OHG und von Raiffeisen Online Genossenschaft, sowie alle Jurymitglieder sind. Ok, dann sind ja noch ca 95.000 Einwohner übrig. Von denen ziehen wir jetzt die Senioren ab ((ja ich weiss, ich bin ein einziges großes Vorurteil)), immerhin 21% und die nicht EU-Bürger (6%). Gehen wir davon aus, dass die Hälfte der Einwohner einen Internetzugang haben, diese werden wohl auch schon eine Digitalkamera haben, dann haben wir noch ca. 33.000 potentielle Teilnehmer. Diese wollen erst mal informiert werden. Im Internet ist die Seite noch kein Renner ((6 Einträge bei Google)) und die Anzeigen sind auch nicht optimal gelungen. Sprich man versteht nicht gleich wer angesprochen werden soll und was bezweckt wird.

 

Bevor ich jetzt weiternörgle an diesem Wettbewerb muss ich noch was Allgemeines loswerden. Ich finde es unerhört, wenn die Preise die verlost oder vergeben werden in keinem Verhältnis zum Aufwand und Kosten stehen. Wenn die Werbekampagne für einen Wettbewerb 10 mal mehr Kostet als verschenkt wird, dann ist das nicht mehr lustig. Ich mutmaße mal, dass die ganze Aktion für diesen Wettbewerb in Bozen mindestens 100.000 Euro kostet, da ist ein erster Preis von 3.000 Euro ein Witz, von den 300 Euro Trostpreis für den Zweit- und Drittplatzierten reden wir gar nicht.

 

Und da kommen wir auch zum letzten Punkt – die Jurierung. Zumindest sitzt eine Person in der Jury, die etwas von Fotos versteht. Zwei sind Politiker, eine Architekten-Politikerin und der letzte ist ein Unbekannter, entweder Student (mit Doktortitel?) Tutor oder Dozent and der Fakultät für Design. Die Fotos sollen Zitat: „Neue Perspektiven, überraschende Sichtweisen, spannende Reibungen.Wir möchten ein überraschendes, anregendes Bozen zeigen…Es zählen hauptsächlich die Besonderheit des Blickwinkels, die Auswahl des Motivs, die Originalität und die Ästhetik.“ Doch man muss aufpassen bei den Reibungen, denn sie dürfen nicht „…gewaltverherrlichender, nazistischer oder pornografischer Art…“ sein. Also nix mit dem inszinierten Nacktmarathon schlägernder Nazis auf dem Waltherplatz ((das wär mal ein interessantes Foto)). Ich hab die Befürchtung, dass „harte“ Fotos sowieso keine Chance haben. Also wieder eine Ansammlung von touristisch verwertbaren Abbildungen. Wieso verwertbar? In den AGB’s steht nämlich dass „…Mit der Teilnahme am Fotowettbewerb tretet der Teilnehmer alle Rechte am eingesandten Foto an den Organisator ab und hat keinen Anspruch auf ein Entgelt.“. Wenn also wirklich viele mitmachen, hat man wieder einen Schub neue Fotos für die Tourismuswerbung ohne dafür zu zahlen. Aber vielleicht muss man das ja aus einer „Neuen Perspektive“ sehen.

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