Die Zitrusfrüchte des Sepp Kiem

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Sammler legen sich nicht nur auf bestimmte Objekte fest, das Spektrum der zusammengetragenen Semiphoren fällt nämlich meist sehr weitläufig aus. Auch bei Sepp Kiem ist dies festzustellen, da nicht nur das Gewächshaus mit Zitrusfrüchten von seiner Sammlerleidenschaft zeugt, sondern auch der Hausgarten, der einen Reichtum von unterschiedlichsten Pflanzen und Bäumen aufweist. Im Laufe der Jahre hat Kiem auf seinem 4 Hektar großen Grundstück, das bis 1984 eine Wiese mit diversen Obstbäumen war, einen sehenswerten Garten geschaffen. Sepp Kiem erledigt die anfallende Gartenarbeit meistens lieber selbst. In seiner Laufbahn als Hobbygärtner hat sich Kiem auch oft auf literarische Hilfe zurück besonnen, um sich bestimmte Arbeiten zu erleichtern.

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Im Eingangsbereich des Gartens hat Kiem den Vitex agnus catus, kurz Mönchspfeffer genannt, gepflanzt. Seine blauen Beeren, haben nach alten Überlieferungen, das sexuelle Verlangen der Mönche gelindert. Kiem erklärt, dass der Garten je nach Jahreszeit ein ganz anderes Aussehen erlangt, dies ist besonders deutlich, als wir vor dem Pampagras und diversen Lilienarten stehen. Sie erreichen bei voller Entfaltung gegen Ende August eine Höhe bis zu 1,5 Metern. Die Anordnung der Pflanzen hängt auch von der Anordnung des Wurzelsystems ab, was bedeutet, ob es sich nun um Flach- oder Tiefwurzler handelt. Ein Flachwurzler läßt in seiner Nähe beispielsweise keine anderen Pflanzen existieren, ein Tiefwurzler hingegen schon. Im Bereich östlich des Hauses befinden sich verschiedene Beete mit diversen Blumen: Irisarten, Engelstrompeten, Edellilien, Königskerzen. Kiem erklärt uns auch, dass sich der Garten nicht nur wegen seiner Blütenperioden ändert, sondern auch deshalb, weil die Standorte verschiedenster Pflanzen jährlich geändert werden.

[photopress:franky0009.jpg,thumb,pp_image]Auch der Kräuter- und Gemüsegarten fehlt im Hause Kiem nicht. Interessant sind auch die Äste des Flaschenputzers, deren rote Blüten wie die Borsten beim Flaschenputzer angeordnet sind, die zurück gebliebenen Fruchtstände mehrerer Generationen kann man an einem Ast bewundern, was vergleichbar mit den Baumringen ist. An der Südmauer des Hauses rankt sich wilder Wein nach oben, im Herbst verdienen seine rot gefärbten Blätter besondere Bewunderung. Auch ein Olivenbaum ist im südlichen Bereich des Hauses anzutreffen, er steht bereits seit 15 Jahre. Nach der Gang durch den Garten gelangen wir zum Gewächshaus. Die Holz- und Glaskonstruktionintegriert sich gut in die Landschaft. Die Schiebetüren sind bereits geöffnet und der Blick in das Innere des Hauses ist somit frei.

[photopress:zitr0006.jpg,thumb,pp_image]Die Zitruspflanzen in den verschiedensten Perioden ihrer Blüten- und Fruchtentwicklung haben bereits bei ihrem ersten Anblick ihren Reiz. Die ungewöhnlichste und wohl seltenste Art führt uns Kiem bereits ganz am Anfang vor, es handelt sich dabei um „Buddhas Hand”, eine Sorte aus China, deren einziger Besitzer er in ganz Südtirol ist. Eine andere Orangenart, der Chinoto, hat in vergangenen Zeiten eine wichtige Bedeutung bei der Herstellung des gleichnamigen Getränkes gespielt. Heute ist dieses Getränk nicht mehr so häufig anzutreffen. Der Cedro ist hingegen wegen seiner roten Früchte einigermaßen bekannt. Eine andere Cedroart, der Cedro diamante, ist wegen seiner Früchte, die diamantenförmig nach oben wachsen erwähnenswert.

[photopress:zit40003.jpg,thumb,pp_image] Der amaro cornuto, welche kleine hornförmige Auswüchse aufweist hat ebenfalls eine besondere Form. Die Orangenart Barocco, deren Früchte, die büschelweise prunkvoll von den Ästen hängen, macht ihrem Namen alle Ehre. Im hinteren Teil des Gewächshauses sind auch noch andere Exoten wie ein Bananenbaum und ein Pakako, eine Papayaart, die pro Jahr nur zwei Blätter macht, anzutreffen. Die Wärme im Gewächshaus wird durch den Boden selbst reguliert, auf einer 1 Meter hohen Kiesschicht liegen Holzroste. So hat auch der Boden unter dem Gewächshaus die Möglichkeit zu atmen.

[photopress:zit40001.jpg,full,centered]Bei den Zitruspflanzen ist es eigentlich unterschiedlich, wann die Bäume ihre Blüten und Früchte entwickeln. Orangenarten blühen meist im April, im November oder Dezember kann man dann die Früchte genießen. Es gibt auch Sorten wie die spanische Orangenart Valenza, bei der die Frucht zirka 2 Jahre braucht, bis sie reif und eßbar ist. Der Mapo blüht zum Beispiel nur im Frühjahr, wenn man es da nicht schafft den Baum zum Blühen zu bringen, so muß man ein ganzes Jahr warten. Der Kumquat hingegen ist das ganze Jahr aktiv, man hat hier also die Möglichkeit mehrere Generationen auf einem Baum zu sehen, wie Blüte, grüne und reife Frucht. Beim Chinoto muß man wahrscheinlich am längsten warten, da die Frucht 3–4 Jahre auf dem Baum bleibt.

[photopress:cr02.jpg,thumb,pp_image]Die Zitronenpflanzen und alle anderen Topfpflanzen sind in Tontöpfen eingepflanzt, diese saugen überschüssige Staunässe auf. Die Bewässerung ist teilweise im Gewächshaus und im Garten computergesteuert, was viel Arbeit erspart. Im Sommer bekommen die Pflanzen außerhalb des Gewächshauses einen sonnigen Platz. Dort werden sie alltäglich mit Wasser versorgt. Zitruspflanzen sind im allgemeinen nicht so empfindlich, bestimmte in Amerika gezüchtete Sorten halten bis zu -20°C aus. Für die meisten Sorten gilt aber eine Grenztemperatur für -10°C. Die Früchte sind nach Minustemperaturen allerdings nicht mehr genießbar.

[photopress:cr03.jpg,thumb,pp_image]Damit sich die Bäume im Gewächshaus nicht gegenseitig überwuchern erhalten alle regelmäßig ihren Formschnitt. Die Archivierung der Zitruspflanzen erfolgt anhand von flachen Holzstäbchen, auf denen Erkennungsnummer, Vorbesitzer, Jahr, deutscher und botanischer Name notiert ist. Eine zusätzliche Mappe liefert eine weitere übersichtliche Archivierung. Sammler haben meist sehr gute Kontakte zu anderen Sammlern, dies ist auch bei Sepp Kiem der Fall, in Südtirol hat er zum Beispiel Kontakte zur Gärtnerei Schullian in Bozen, Kiem unterhält auch Bekanntschaften mit Gärtnern und Botanikern aus Deutschland und Süditalien, solche Beziehungen sind schon fast ein Muß um gute ausreichende Informationen und neue Zöglinge zu erhalten. Fachmagazine, literarische Unterlagen und das Internet bieten weitere Informationsmöglichkeiten. Auch die Transporte von weit herbestellten Pflanzen sind heutzutage nicht mehr das Problem, meint Kiem, man muß sich nur informieren, so erhält man die richtigen Tricks und Tips für günstige Beförderungen.

[photopress:franky0003.jpg,full,centered]Die meisten Zitruspflanzen im Besitz von Kiem sind Pelzungen, dies ist leicht am alten Baum des Stammes feststellbar. Die Äste einer neu gezüchteten Gattung werden also auf einen ungezüchteten Stamm hinaufgepelzt. Den ersten Zitronenbaum bekam Kiem als kleine Pflanze zu seinem Hochzeitstag, der inzwischen stattliche Baum ist nun schon 26 Jahre alt.

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[photopress:cr01.jpg,thumb,pp_image] [photopress:cr07.jpg,thumb,pp_image]

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