Öffentlicher Nahverkehr, es wird langsam besser … langsam!

[photopress:bus1.jpg,full,centered]Südtirol ist, wie wir alle wissen, ländlich geprägt. Sprich, viele Dörfer wenige Ballungszentren. Die Folge ist, dass man auf Verkehrsmittel im Allgemeinen, und auf öffentlichen Nahverkehr im Besonderen angewiesen ist, wenn man kein anderes Mittel hat oder benutzen möchte. Aber wie es die Paradoxien des Lebens so in sich haben ist es natürlich so, dass in Grossstädten, wo vieles auch zu Fuß erledigt werden kann, es kein Problem ist ohne Auto unterwegs zu sein, während in ländlichen Gebieten es eine Qual ist sich darauf verlassen zu müssen. Aber langsam tut sich etwas.

Insgesamt muss man zugeben, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in Südtirol recht gut funktionieren, zumindest im Vergleich zu den anderen Regionen in Italien. Aber bekanntlich ist “das Bessere der Feind des Guten”. Was ich damit sagen will ist, dass man überall noch Verbesserungen machen kann, besonders in den Punkten Kundenfreundlichkeit und der Belohnung der Fleißigen. Zum Thema Kundenfreundlichkeit sind mir drei Dinge besonders aufgefallen. Da wäre das leidige Thema der Fahrzeiten. Warum gibt es keine Nachtbusse, zumindest am Wochenende? Man könnte einigen Linien zusammenlegen und somit den Nachtschwärmern und den Shuttle-Bussen unter die Arme greifen. Dass eine Nachfrage besteht ist nicht abzustreiten, das sieht man den überquellenden Shuttle-Bussen. Dass dies nicht überall möglich und sinnvoll soll hier nicht zur Diskussion stehen, Fakt ist, dass immer noch ein Einverständnis in der Bevölkerung besteht, welches besagt, dass man ab 9 Uhr zuhause sein muss.

[photopress:7tage.jpg,full,pp_image]Ein Beispiel für das typisch südtirolerische halbe-Sachen-machen ist auch die Mobilcard. In den verschiedensten Versionen erhältlich gewährt es einem freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln (zu einer Tageskarte hat man sich nicht durchringen können). Doch halt, nein nicht mit allen. Die wichtigsten Zugverbindungen sind ausgenommen. Obwohl man auch auf diesen Strecken mit den Wertkarten des TVS (Transport Verbundsystems) fahren kann. Das stört besonders, weil man mit der Vinschgerbahn fahren darf. Jetzt kann man natürlich mit den organisatorischen Problemen und den Abkommen argumentieren, aber das interessiert mich ehrlich gesagt gar nix. Ich bitte um ein wenig Koherens. Vielleicht wird es ja besser wenn die besagten Zugstrecken (Meran-Bozen und (Bozen-Brenner-Innichen) zum Land übergehen, wir werden sehen.

Die Familienkarte wäre in diesem Zusammenhang auch noch zu erwähnen. Ums kurz zu machen, eine allein erziehende Mutter mit einem Kind in einer eigenen Wohnung (sprich eigenen Familienbogen) hat kein Anrecht darauf. Wenn ein weiteres Kind da ist, oder ein anderes Familienmitglied über 60, dann schon. Übrigens eine Familie mit Einzelkind geht auch nicht. Wir wollen keine religiösen Familienbilder unterstellen, aber so langsam kommt da ein Verdacht auf.

[photopress:vinschger.jpg,full,pp_image]Zum Thema Zukunftsweisend kann ich nur eins sagen, alle bisherigen groß angekündigten Maßnahmen sind irgendwie nur Effekthaschereien gewesen. Da hat es mal diese grossartigen Neigebusse gegeben (vielleicht fahren sie auch noch) die sich um ein paar Grad zur Seite legen konnten. Dies um auf speziellen Haltestellen (ein paar wurden wirklich für teures Geld umgebaut) den Rollstuhlfahrern das Einsteigen erleichtern sollten. Ein Shuttle-Service wäre wahrscheinlich billiger und kundenfreundlicher zu realisieren. Und die tolle Abo-Online Aktion. Mann kann sein Abonnement online verlängern und die neuen Wertkarten werden per Post zugesandt, für nur 3 Euro. Hallo? 3 Euro Spesen? Ein kleiner Tipp, wer diesen Dienst in Anspruch nimmt sei vor der Post gewarnt. Zur Zeit brauchen Postsendungen extrem lang. Zwei Beispiele gefällig. Ein A4-Kuvert von Bozen nach Meran satte 10 Tage und ein Brief der im Postamt in Bruneck am 4.11. eingegangen ist (Poststempel) wurde erst am 20. in den Briefkasten geworfen.

[photopress:cless_logo.gif,full,pp_image]Und was liegt als nächstes an. Kontaktlose Fahrscheine. Damit wir uns richtig verstehen, das sind so Karten, wie sie in Skigebieten, Parkplätzen, Diskotheken, Supermärkten usw. und auch für öffentliche Verkehrsmittel schon seit Jahren verwendet werden. Nun hat also das Sarntal das Vergnügen die neue Technik zu experimentieren. Na dann kann man nur hoffen, dass da nicht neue Sarnerwitze daraus entstehen und die Technik schnell in ganz Südtirol eingeführt werden. Man ist es allerseits Leid immer wieder mit den grünen Kästen herum zu streiten, umzufallen während man im losfahrenden Bus zum Automaten torkelt und dass die Kärtchen nicht mehr funktionieren weil die hauchdünne Magnetschicht durch ein leichtes knicken das zeitliche gesegnet hat.

[photopress:bus2.jpg,thumb,pp_image]Und da kommen wir zum Thema Abonnement. Der Verkehrsverbund Südtirol hält zu diesen Thema eine der größten Schweinereien auf Lager die mir untergekommen sind. Wer oft eine bestimmte Strecke mit dem Bus oder Bahn fährt tut gut daran sich ein Abonnement zu besorgen. Dies ist ja auch nichts Besonderes. Dass man dann aber das Abo genau auf diese Strecke begrenzen muss ist schon etwas komischer, kann man aber bei der Weitläufigkeit des Streckennetzes, das sich schlecht in Zonen einteilen lässt, auch wieder verstehen. Da macht man also sein Abonnement und man bekommt dafür eine Kennkarte. Mit dieser kauft man sich Wertkarten, von welchen jedes mal wenn man die Strecke befährt ein bestimmter Betrag abgebucht wird. Dieser Betrag ist für die ersten fünf Wertkarten höher als bei den darauf folgenden. Das ist auch berechtigt, wer ein konstanter Benutzer ist soll belohnt werden. Aber der Teufel liegt im Detail, genauer gesagt in dieser Formulierung der AGB’s: “ab der 6. Abowertkarte und bis zum Ablaufen Ihres Abos.“ Man will es ja kaum glauben, aber das Abo läuft nach einem Jahr ab und wenn man es erneuert kann man wieder von Vorne anfangen. Da ist man dann gleichgestellt mit den Neu-Abonnenten und dem “Ich probiere mal ob mir das taugt!” So unterstützt man aber nicht die Bemühungen immer mehr Leute auf Bus und Bahn umzusteigen. Ich verlang ja nicht, dass man immer weniger und weniger bezahlt, aber dass man zurückgestuft wird ist doch nicht normal.

Abschließend kann man nach diesem bisher längsten Artikel folgendes sagen. Mit etwas weniger Aktionen die scheinbar vielen helfen und der Konzentration auf einige Dienste, wäre es möglich den Service noch weiter zu verbessern. Warum 5 verschiedene Abonnements, ein gerechtes reicht. Warum extravagante Bussysteme halb einführen wenn man Alternativen finden kann. Usw. Usw.

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2 Gedanken zu “Öffentlicher Nahverkehr, es wird langsam besser … langsam!

  1. Danke für diesen, für mich als Straßenbahn- bzw. Nahverkehrs-Fan interessanten Einblick in den Nahverkehr Südtirols!
    Die Nichtexistenz richtiger Zeitkarten ist mir schon bei meinen zwei diesjährigen Bozen-Besuchen aufgefallen – das sollte wirklich schleunigst geändert werden. Auch die diversen Schikanen im Verkehrsverbundsystem – dies und jenes darf nicht benützt werden – gehörten ausgemerzt.
    Außerdem würde Bozen eine Straßenbahn (in Form eines modernen Stadtbahnsystems) bestens zu Gesicht stehen, das Verkehrsproblem ist ja nicht zu übersehen – wie leider in fast allen europäischen Großstädten. Noch besser wäre eine Stadtregionalbahn Bozen – Meran von Stadtzentrum zu Stadtzentrum nach Karlsruher Modell.
    Die Bozner Stadtmütter und -väter wie auch jene der anderen Städte und des Landes täten gut daran, viel mehr Geld für den Nahverkehr in die Hand zu nehmen, und zwar nicht nur punktuell (Vinschger Bahn), sondern großflächig.
    Ich habe den Busverkehr in Bozen von den Fahrzeugen her als recht modern erlebt, allein das reicht aber nicht – die Fahrgäste wollen heute zurecht mehr. Elektronische Wartezeitanzeigen (in Bozen sah ich nur eine einzige für den Stadtverkehr), Barrierefreiheit (Akustische Durchsagen, Blindenleitsysteme und Bahn- bzw. Bussteige an jeder Haltestelle für niveaufreies Einsteigen), Fahrgastunterstände, Null-Wartezeit für den öffentlichen Verkehr an ampelgeregelten Kreuzungen, Busspuren, und einen hochrangigen regionalen Nahverkehr in Form von S-Bahn und/oder Stadtbahn, um auch auf weiteren Strecken nicht aufs Auto angewiesen zu sein. Da gibt’s noch viel zu tun, hoffentlich packt das mal wer an. Viel Glück!

  2. Danke für diesen, für mich als Straßenbahn- bzw. Nahverkehrs-Fan interessanten Einblick in den Nahverkehr Südtirols!
    Die Nichtexistenz richtiger Zeitkarten ist mir schon bei meinen zwei diesjährigen Bozen-Besuchen aufgefallen – das sollte wirklich schleunigst geändert werden. Auch die diversen Schikanen im Verkehrsverbundsystem – dies und jenes darf nicht benützt werden – gehörten ausgemerzt.
    Außerdem würde Bozen eine Straßenbahn (in Form eines modernen Stadtbahnsystems) bestens zu Gesicht stehen, das Verkehrsproblem ist ja nicht zu übersehen – wie leider in fast allen europäischen Großstädten. Noch besser wäre eine Stadtregionalbahn Bozen – Meran von Stadtzentrum zu Stadtzentrum nach Karlsruher Modell.
    Die Bozner Stadtmütter und -väter wie auch jene der anderen Städte und des Landes täten gut daran, viel mehr Geld für den Nahverkehr in die Hand zu nehmen, und zwar nicht nur punktuell (Vinschger Bahn), sondern großflächig.
    Ich habe den Busverkehr in Bozen von den Fahrzeugen her als recht modern erlebt, allein das reicht aber nicht – die Fahrgäste wollen heute zurecht mehr. Elektronische Wartezeitanzeigen (in Bozen sah ich nur eine einzige für den Stadtverkehr), Barrierefreiheit (Akustische Durchsagen, Blindenleitsysteme und Bahn- bzw. Bussteige an jeder Haltestelle für niveaufreies Einsteigen), Fahrgastunterstände, Null-Wartezeit für den öffentlichen Verkehr an ampelgeregelten Kreuzungen, Busspuren, und einen hochrangigen regionalen Nahverkehr in Form von S-Bahn und/oder Stadtbahn, um auch auf weiteren Strecken nicht aufs Auto angewiesen zu sein. Da gibt’s noch viel zu tun, hoffentlich packt das mal wer an. Viel Glück!

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