Survival-Guide für das Merano Winefestival

Dass ein guter Tropfen so manchen Abend, zu einem Highlight gemacht hat, ist kein Geheimnis mehr. Und dass in Südtirol nun auch guter Wein gekeltert wird, ist auch hinlänglich bekannt. Und als die Mode für guten Wein Mitte der neunziger Jahre so richtig losging, haben ein paar Leute in Meran mit dem Gedanken gespielt ein Wein-Festival zu gründen. Nun frägt man sich, ist es das hart verdiente Geld wert, und wie überlebt ein Normalo so ein Festival?

Als erstes mal gleich die Antwort zur Frage des Preises. Jeder der Wein nicht verabscheut, und sich schon mal eine Flasche Wein gekauft hat die 8-10 Euro kostete muss zum Festival. Es kostet 70 Euro pro Tag, zugegeben das wirkt happig, aber die Weine, die man dort verkosten darf, kosten leicht mal über 50 Euro die Flasche. Wer also ein paar von den Weinen mal kosten möchte, die sonst in der Önothek in der Ecke „zu teuer“ stehen, macht hier ein Schnäppchen. Und für alle die noch der Meinung sind, dass jeder Wein nur aus Marketinggründen mehr als 10 Euro kostet, und man sowieso keinen Unterschied merkt, der sollte wirklich hingehen und seinen Horizont gewaltig öffnen. Hier erkennt man, dass Wein nix mit dem Fusel zu tun hat, der in den Eurospins dieser Welt angeboten wird. Über diese Weine möchte ich ein andermal schreiben. Nun aber zu den Tipps, um auch an die guten Weine zu kommen.

Erster und wichtigster Tipp: Sucht euch einen Freund, Arbeitskollegen, Nachbarn, der ein Weinfanatiker ist, bzw. der schon einige Male auf dem Festival war. Warum? Er hat sich für den heurigen Besuch sicher eine Liste gemacht mit den Weinen, die er verkosten möchte. Wer die Eintrittskarte kauft, bekommt auch den Austellerkatalog. Wenn man direkt dort ist, nützt das einem nicht viel. Die Namen der berühmten Hersteller kennt man erst mit der Zeit und wenn man sich nicht schon vorher eingelesen hat, ist es zwecklos den Katalog lange zu studieren. Wir wollen aber nicht die Vorarbeit, deshalb brauchen wir jemand der das schon gemacht hat. Er wird die Liste gerne mit euch teilen, und beschwichtigt seine Befürchtungen, ob euch die Weine seiner Liste auch schmecken werden. Wer neu dabei ist, muss eben alles Mögliche probieren, um auf seinen Geschmack zu kommen. Die Liste ist eines der mächtigsten Instrumente beim Festival. Wenn jemand eine Liste hat, verleiht es dem Besucher die Aura des Liebhabers, der sich auskennt. Man hat studiert und ausgewählt, wenn man dann zu einem Hersteller geht und einen bestimmten Wein verlangt (meistens die oberste Garnitur) dann hat man einen Vorsprung.

Tipp Numero 2: Geht zu zweit oder zu dritt auf das Festival. Alle mit der gleichen Liste und diskutiert über den Wein, den Ihr gerade verkostet. Ihr braucht nicht das Weinkauderwelsch von „blauen Beeren“ und „langem Abgang“ zu verwenden. Es gibt keine genormte Sprache, deshalb ist jeglicher Kommentar erlaubt. Wichtig ist auch zu bedenken, dass der Hersteller euch immer mit der untersten Linie anfangen lassen will. Er will herausfinden, wer ihr seid, ob ihr potenzielle Kunden seid. Also will er die Zeit zwischen niederer Linie (die auch gut ist) und höherer Linie nutzen, um das herauszufinden. Deshalb..

Tipp Nr. 3: Zieht euch was Ordentliches an. Stellt euch vor ihr, geht auf einen Ball. Das war jetzt an die Jungs gerichtet. Für Mädels ist ein Ballkleid natürlich nicht angebracht, ein Kostüm ist da schon eher das Richtige. Und wenn es Jeans sein müssen, dann legt trotzdem ein Jackett oder zumindest ein Hemd an. Turnschuhe sind fast tabu usw. Warum ich so drauf rumpoche? Es macht die Sache soviel einfacher. Wer Casual angezogen ist, gibt dem Austeller nur 3 Möglichkeiten: Ihr seid Hotelfachschüler in Klassenfahrtsstimmung, ganz ganz abgeklärte Weinprofis (das müsst ihr aber dann beweisen) oder ihr seid Leute, die mal hereinschnuppern wollen und deshalb nicht interessant. Das Letztere sind wir zwar, aber wir wollen auch die guten Sachen zu probieren bekommen, auch wenn wir sie danach nicht kaufen.

Tipp 4 ist deshalb das Sahnehäubchen. Lasst euch ein paar Visitenkarten drucken. Seid kreativ und erfindet eine Firma, die mit der Gastronomie zu tun hat. Zum Beispiel ein Catering-Service für Nobelpartys, Food & Beverages Manager in einem Hotel in der Schweiz, … Wichtig sind hier nur ein paar Regeln. Behaltet euren Vornamen, falls ihr Bekannte trefft, wäre es sehr peinlich, wenn sie euch mit einem anderen Namen ansprechen. Gebt richtige Ortschaften (PLZ) und richtige Vorwahlen an, aber falsche Telefonnummern. Eine Internetadresse und E-mail gehört auch zum Standard, sollte aber auch die Falsche, aber glaubwürdig sein. Ihr werdet sehen, wenn ihr euch als potenzielle Kunden ausgebt, wird es ein richtiger Spaß.

Zwei kleine Tipps noch zum Schluss. Ihr müsst nicht den Wein ausspucken, die Tropfen sind so gut, dass nur Vollprofis, die den ganzen Tag Wein im Mund haben ihn ausspucken. Soweit hinauf braucht ihr euch nicht zu schwingen. Und weil ihr den Wein trinkt, solltet ihr auch nach 10-15 Weinen Schluss machen. Ehrlich, es entspricht ungefähr einer Flasche und die Weine haben es echt in sich.

Also dann viel Freude am probieren und diskutieren.

PS: Es gibt heuer auch eine CD mit der Musik zum Festival. Australische Klänge mit Streichern gemixt – bläh. Ihr könnt hier selbst reinhören und sie hoffentlich nicht kaufen.

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