Ein Grillplatz in Ehren …

… kann niemand verwehren. Doch halt, eine mutige Gemeinde versucht es doch und das mit mäßigem Erfolg.

Nicht nur die Gemeinde selbst zieht sich in die Länge, nein auch andere Dinge sind von nicht zu verachtender Langatmigkeit. Wir sprechen natürlich vom Naherholungsgebiet Falschauer – bzw. genauer geht es um das Spiel- und Freizeitgelände an der Falschauer (für alle nicht-Burgräfler, die Falschauer ist der Fluss der aus dem Ultental, quer über das Etschtal in die Etsch fließt). Dieses Spiel- und Freizeitgelände liegt praktisch kurz vor der Mündung im Bereich zwischen Fluss und dem Damm, der das eher flache Etschtal vor Überschwemmungen schützen soll. Auf der anderen Seite des Flusses befindet sich die Sportzone Falschauer (mit riesiger Reithalle für einen kleinen Pferdefreundverein, aber das ist ein anderes Thema) und die Industriezone Lana. Also mitten in der Pampa und somit idealer Platz zum Feiern, nachdem man niemanden stört

Ein bisschen Vorgeschichte

In dem besagten Areal gibt es schon einen Spielplatz, solange ich mich erinnern kann. Also kleiner Junge bin ich schon in den Achtzigern mit dem Rad hingefahren und habe mit den damals revolutionären Spielgeräten herumexperimentiert. Da waren so tolle bunte Reifentürme usw. und eine Boccia-Bahn (die war wahrscheinlich für die begleitenden Eltern gedacht). Betreut wurde das Areal von einer Elternvereinigung und war auch abgesperrt, soweit ich mich erinnere. Aber der Maschendrahtzaun war bald dahin und so konnte jeder seinen Spaß daran haben. Ich vermute, dass der chronischer Geldmangel und das Desinteresse der Vereine dazu geführt hat, dass der Spielplatz verwahrlost ist. Zuletzt war es eine Dschungelruine, in der Entdeckerspiele am besten gelangen.

Anfang der Neunziger kam die Wende und die Gemeinde übernahm das Gelände. Es wurde gesäubert, gefährliches Spielgerät entfernt und anderes aufgestellt. In regelmäßigem Abstand wurden Grillplätze eingerichtet (weit über die ursprüngliche Grenze des Spielplatzes) samt Bänken und Tischen. Nun hatten Familien, Vereine und Schulklassen im Burgrafenamt einen Ort wo man ausgelassen feiern und grillen konnte, ohne jemanden zu stören. Zugegeben, die Einrichtung war spartanisch, aber recht robust und was man an Komfort brauchte, nahm sich sowie selbst mit. Das Problem des Mülls gab es anfänglich nicht so sehr, da noch keine Mülltrennung herrschte und genügend große Tonnen zu Verfügung standen. Natürlich ist immer was herumgelegen, es ist ja nie sauber genug, aber alles in allem war es akzeptabel. Wie gesagt, wenn man es spartanisch lässt, sind die Ansprüche auch nicht so hoch. Außerdem säuberten schon damals die Fischereivereine Lana, Tscherms und Marling die Auen und das Falschauerufer und den Flusslauf.

Jetzt wird’s aber Zeit für was Neues

Nach über 10 Jahren Benutzung des Geländes ist die Einrichtung, trotz gelegentlicher Reparaturen, langsam aber sicher nicht mehr tragbar. Die Gemeinde hatte also den Einfall den Platz neu zu gestalten. In Ihrem Tätigkeitsbericht wird dieses beachtliche Vorhaben nur in einem Nebensatz erwähnt: „…Das Freizeitgelände im Falschauerggrün (Ex-VFL-Platz) wurde neu gestaltet …“. Die Neugestaltung war aber Revolutionär. Der Spielplatz wurde fast gänzlich eliminiert und dafür wurden der Skulpturenwanderweg weitergeführt und somit hat Kunst den Einzug in das Feierareal genommen. Außerdem kam ein Bolzplatz und das Volleyballnetz wurde erneuert. Und nicht zu vergessen, ein „Dirt Park“ wurde eröffnet. Wieviel das ganze gekostet hat, möchte ich hier gar nicht fragen. Aus den veröffentlichen Haushaltsplänen sind die Kosten nicht eindeutig zuzuweisen, aber etliche hundert tausend Euronen sind ja bald zusammen. Einher mit diesen Neuerungen ist auch strikte Durchsetzung einiger Regeln zur Benutzung des Platzes. Wenn man also mehr als ein paar Leute oder eine Familie ist und die Falschauerwiesen benutzen möchte, muss man das beantragen und eine Kaution von 500 Euro hinterlegen. Aha, jetzt gibt’s was teures zum kaputt machen, deshalb braucht’s auch eine Kaution. Und der Dorfpolizist kontrolliert am Tag nach der Feier ob noch alles in Ordnung ist. Bravo, aber eins wurde vergessen. Der Dorfpolizist müsste auch vor der Feier vorbeischauen, sozusagen als Abnahme. Schließlich will man für nichts zur Verantwortung gezogen werden, das man nicht selbst zerstört oder „verbraucht“ hat. Aber das passiert natürlich nicht.

Gott erhalt’s

Jetzt könnte man sich denken, dass die Gemeinde, nachdem sie einen so schönen Platz gestaltet hat, (er war wirklich nicht schlecht) eine Freude damit hat und darauf achtet und ihn pflegt. Und die Leute haben auch recht gut darauf aufgepasst. Aber was musste man erleben. Die Gemeinde pfeift drauf und erhält nix. Rasenmähen ist nicht drin. Der Müll wird mal nicht und mal nicht abgeholt, dann mal wieder schon, dann doch nicht. Und man weiß ja, wie das ist. Ein sauberer Platz bleibt sauber, aber auf einen dreckigen Platz passt keiner auf und müllt das Ganze noch mehr zu. Jetzt könnte man meinen, dass die Gemeinde sich denkt: „Ok, Ok, wir haben mal nicht aufgepasst, aber jetzt stellen jemanden ein, und der passt drauf auf, und macht ein wenig sauber …“ Nein, sie hat eine viel bessere Idee.

Klappe zu, Affe tot

Wir machen noch einmal sauber und sperren das ganze Areal am Abend ab 22:00 Uhr ab und lassen es Videoüberwachen (laut Schild, wir konnten keine Videoanlage ausfindig machen). Wie es in der Veröffentlichung heißt: „Ab sofort werden die zwei Zufahrten am Ende des Aichweges (bei St.Agatha) in Oberlana und von der Max-Valier-Straße bei der Sporthalle in der Industriezone, welche zum Spielplatz an der Falschauer (ex VfL Platz) führen, täglich in den Nachtstunden von 22 Uhr bis 6 Uhr mit Schranken und Schloss zugesperrt. Diesen Dienst verrichtet täglich der Wachdienst Südtirol. Tagsüber ist dieser Spielplatz für die Bürger/innen der Marktgemeinde Lana frei zugänglich, ab 20 Uhr ist dies nur mehr nach einer schriftlichen Genehmigung durch die Gemeinde Lana möglich. Wer also dieses Gelände für Feiern usw. benützen möchte, muss unbedingt bei der Marktgemeinde Lana um eine Benützung ansuchen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass dieses Spiel- und Freizeitgelände von allen Benützern immer sauber und aufgeräumt zu hinterlassen ist.
Für Unfälle wird nicht gehaftet.“

Natürlich kann ich noch schnell auf die Gemeinde laufen und eine Genehmigung holen, wenn ich nach Feierabend (es reicht aber auch am Nachmittag) beschließe am Abend mit ein paar Freunden in den Falschauerwiesen zu grillen. Und die Schilder, das die Schließung anzeigt sind erst im Sommer 2006 in ausreichender Zahl angebracht worden. Und die Veröffentlichung nur im Gemeindeblatt hat natürlich auch Sinn gemacht, nachdem kein einziger nicht-Lananer das Gelände benutzt. Ach, und um nicht den wichtigsten Grund zu vergessen: Man kann auch während des Tages was kaputt machen, weil 16 Stunden reichen pro Tag dafür wirklich aus.

Jetzt fragen wir mal ehrlich, was es gebracht hat. Kosten und einen Zustand, der kaum auszuhalten ist. Die Schranken wurden schon dreimal zerstört, weil Leute eingeschlossen wurden. Der Ort ist so an manchen Stellen verwahrlost, wie selten in seiner Geschichte. Die Kunstwerke faulen vor sich hin, weil es ist ja der Kultur genüge getan, wenn man die Kunstwerke kauft und sie aufstellt, darum kümmern ist zu viel verlangt. Und wenn man schon nicht mehr drin sein darf, und es nicht allen gehört, dann muss ich auch nicht darauf aufpassen. Um die Situation nochmal bildlich darzustellen. Viele Hundebesitzer spazieren auch in den Falschauerwiesen und eine Hundebesitzerin hat uns erzählt, dass ihr Hund sich allein in diesem Jahr schon drei Mal tiefe Schnittwunden an herumliegenden Glasscherben zugezogen hat. Und der Hund durfte schon nach dem ersten Mal nicht mehr frei herumlaufen. Und der Parkplatz der Wiesen wird ja auch abgesperrt, die Leute stellen deshalb ihre Autos, auf die Straße. Auch eine Lösung.Also mal ehrlich, so kann es nicht weitergehen.

Immer wieder das Gleiche

Aber es ist halt wieder typisch. Zuerst wird mal groß geklotzt und dann frägt man sich, wer das Erhalten soll. Und wenn’s nicht so klappt wie man möchte, dann schließt man es weg und macht es nur noch schlimmer. Also meiner Meinung nach sollte es sich entweder die Gemeinde leisten, dass der Platz sauber gehalten wird und durch jemanden gepflegt wird. Oder aber sie baut zurück, und lässt es Platz spartanischer. Auf jeden Fall muss dieses Zusperren aufhören, nachdem es die Leute nur noch animiert etwas dagegen zu unternehmen. Ich plädiere für ein back to the roots: Den Platz öffnen und säubern. Und auch regelmäßig (sprich einmal im Monat mindestens) wieder säubern und reparieren wenn nötig. Wie gesagt, ein sauberer Platz wird mehr geachtet und wird weniger verschmutzt. Das kostet dann weniger wie der tägliche Wachdienstmann und alle haben was davon.

2 Gedanken zu “Ein Grillplatz in Ehren …

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