Die Feste feiern wie sie fallen,…

…oder besser gesagt: Warum in Südtirol Feste nur gehäuft auftreten, die Dorffeste langsam aussterben und was das mit langen Nächten im Sommer zu tun hat.

Dorf-, Wiesen-, Wald-, Feuerwehr- und Dorffeste (chi più ne ha, più ne metta) sind in Südtirol allseits beliebt. Die famosen Kirchtige (Fest des Heiligen einer Kirche) sind da auch nicht ausgeschlossen, und lassen sich in grob zwei Kategorien festmachen: „Die Kultigen“ und „Die Touristischen“. Diese beiden Begriffe benötigen keiner weiteren Erklärung. Natürlich meiden die Einheimischen die touristisch angehauchten Feste soweit es geht, aber leider gibt es gewisse Termine auf dem Festkalender, da muss man sich mit den „Gästen“ mischen. Entweder weil in der besagten Zeit kein anderes Fest gemacht wird, oder weil das Fest einfach ein Pflichttermin ist, und man es halt mal aushält wenn einem die „Gäste“ zum x-ten mal versuchen weis zu machen dass jeder Südtiroler von Ihrem Geld lebt.

Das Phänomen der unregelmäßigen Verteilung der Festtermine – aka Fest-Gang-Bang

Feste und Ihre Abkömmlinge gibt es eigentlich nur im Zeitraum zwischen April und September. Einige Ausnahmen sollen da Jahr für Jahr die Ski-Saisons-Auftakte bzw. Saisons-Enden mit Ihren Parties usw. bilden, scheitern aber jedes Jahr kläglich und sollen deshalb bis auf weiteres nicht mehr besprochen werden. Also gibt es Feste in einem Zeitraum von 6 Monaten, also genug Zeit um eine gerechte Verteilung zu gewährleisten. Nix da, im Juli und August ist die Hölle los. Und am besten ist dann noch dass Großveranstaltungen immer zusammen Auftreten – man denke nur an die Kombination Gompm-Alm Festival und Ultner Rockfestival, oder Meraner Stadtfest, Kalterer Weinfest, Ahrntaler Rockfestival, Tisner Kirchtig und 5.000 anderer Feste alle am gleichem Wochenende. Da kann man dann froh sein, wenn es regnet und man nicht entscheiden muss, zu welchem Fest man gehen soll.

Natürlich würde jetzt jedem einfallen, dass man ja etwas Party-hopping machen könnte, also ein wenig dort bleiben, dann irgendwo anders hinfahren usw. Gute Idee, wenn man jemanden hat, der nüchtern bleibt und den Chauffeur spielt. Jeder der auf einem Fest bei uns einmal war weis, dass man immer jemanden trifft, der unbedingt etwas zu trinken spendieren möchte, und andererseits, dass man ein Fest im nüchternen Zustand nur als 10jähriger länger als 2 Stunden aushält (Musik, Betrunkene, Essen).

Nachdem wir festgestellt haben, dass das besuchen mehrerer Feste nur schwer möglich ist und wir uns entschieden haben auf ein bestimmtes Fest zu gehen, wird man sehr häufig feststellen, dass das Fest…

…fest in touristischen Händen…ist.

Nun ist es mehr als logisch dass in einem touristischen Land wie Südtirol für die Gäste einiges geboten wird. Und deshalb mussten wurden einige Klassiker (z.B. Meraner Traubenfest) mit der Zeit zur einer Disneyland artigen Inszenierung des Brauchtums. Andere wurden aus dem Boden gestampft und mit einem Mystizismus versehen der vorgaukelt, dass es diese Feste schon seit ewig gibt (z.B. Speckfest in Bozen und die Weihnachtsmärkte, aber das ist wieder eine andere Geschichte). Diese Feste haben Ihre Berechtigung und werden auch großteils von Einheimischen gemieden. Nicht so lustig wird’s, wenn Touristen sich auf festen tummeln, die als Einnahmequelle für Vereine usw. veranstaltet werden. Sie konsumieren wenig, drängen sich überall nach vorne und tun gerade so, als ob jeder Südtiroler zur Seite gehen muss, weil da ein devisenbringender Tourist in seiner Uniform (Übergroßes Hemd, kurze Hosen, weiße Socken und Sandalen für den Herrn als Beispiel) daherstolziert. Keine Spur von sich den Sitten und Gebräuchen anzupassen, gar nicht erst von den andauernden Anspielungen „Bei uns in xxx-land würde so etwas viel besser organisiert/geputzt/gemacht..:“. Keiner von diesen Herrschaften würde es sich jemals träumen lassen sich zu Hause derart zu geben. Also liebe Touris, reist euch zusammen.

Es wäre natürlich ungerecht den Touristen die alleinige Schuld an gewissen Entwicklungen zu geben, aber auch sie tragen Ihren Teil dazu bei, beim…

Das große Dorffest-Sterben

In den letzten Jahren ist es mehr als auffällig, dass immer mehr Dorffeste eingestellt werden, oder auf eine so kleine Größe zusammenschrumpfen, dass die langen Nächte schon fast aufregender sind. Die Gründe sind sicher vielfältig, Mitgliederschwund bei den Vereinen und somit fehlen Helfer, die Gemeinden wünschen nicht mehr diese Großveranstaltungen, die schlechte Terminwahl. Aber ein Grund, und das ist meine persönliche These, sind die „langen Wochentage“. Gemeint sind die „Langer-Dienstag-Mittwoch-Donnerstage“ die überall im Lande aus dem Boden sprießen. Jedes Jahr kommen wieder Gemeinden hinzu und bieten neben geöffneten Geschäften und musikalischer Unterhaltung auch Essenstände usw. Ein Dorffest im kleinen, und das jede Woche. Der Andrang ist bei gutem Wetter groß, und die Chancen auf gutes Wetter sind ja nicht schlecht, wenn man so viele Anläufe hat. Da ist es auch mehr als normal, dass man nicht nochmal extra auf das Dorffest geht, die ja gleich wie die langen Nächte im Dorfzentrum (also nicht wie andere Feste auf Festplätzen) stattfinden. Da machen sich also zwei Veranstaltungen mit ähnlichem Konzept Konkurrenz, und wer gewinnt? Die Profis natürlich, denn die langen Nächte werden von Kaufleuten und dem Gastgewerbe veranstaltet, Leuten denen es sozusagen im Blut liegt.

Ein Fazit das keines ist

Wollen wir also, dass Touristen von unseren Festen fernbleiben – Nein. Wollen wir dass die langen Nächte abgeschafft werden – Nein. Aber wir wollen mit Sicherheit, dass die Terminplanung etwas besser wird. Ich würde ein Internetportal vorschlagen. Als Benutzer sollte man alle Feste in einer Art Event-Kalender nachschlagen können, und wo die Festveranstalter sich die Termine aushandeln müssen. So nach dem Motto, Großveranstaltungen dürfen nicht auf das gleiche Wochenende fallen. Außerdem muss eine bessere Shuttle-Struktur entwickelt werden, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

In der Zwischenzeit werden wir uns die Feste trotz allem nicht vermiesen lassen und feste feiern.